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Krankt Mülheim an zu vielen konfliktträchtigen Bürgern?

Der Bürgerkontakt macht städt. Mitarbeiter also krank, siehe WAZ-Bericht unten. Aha, wäre man nicht drauf gekommen, denn immerhin sind die meisten unkündbar und ihre Aufgabe ist bekanntlich der Dienst an der Öffentlichkeit, also auch der Bürgerkontakt.

Ist es nicht auch eher so, dass diejenigen, die direkten Kontakt zu den Bürgern haben, das ganze Durcheinander in dieser Stadt ausbaden müssen, was ihre Dienstherr/innen seit Jahren an Chaos in dieser Stadt angerichtet haben. Sehr verständlich, dass es den Beamten oder Angestellten in der Sozialagentur oder dem Bürgeramt auf den Magen schlägt, denn sie müssen die verfehlte Politik unserer Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik hautnah am Bürger ausbaden.

Auch soll das interne Betriebsklima in verschiedenen der Mülheimer Rathausersatzstellen nicht immer das beste sein, insbesondere, wenn Rathausmitarbeiter nicht der vorgegebenen Meinung sind und das auffällt. Auch dieses in der Mühlenfeld-Ära deutlich verstärkte Duckmäusertum im Rathaus schlägt auf die Gesundheit. Da hilft dann auch der angeheuerte Gutachter und seine Befragungen wenig. Der Sporttag zur Gesundheitsverbesserung sei den Verwaltungsmenschen gegönnt. Bei den Chinesen ist das übrigens Pflicht für alle öffentlich Bediensteten, und zwar täglich. Doch egal. Wenn der öffentliche Dienst bei der Verrichtung seines Dienstes an der Bevölkerung krank wird, ist das ein Alarmzeichen, dass was nicht stimmt, und zwar gehörig.

Außerdem gibt es auch nicht wenige Bürger/innen, die durch Kontakt mit städt. Mitarbeitern gelitten haben oder gar erkrankten, nicht zuletzt bei der Sozialagentur, aber auch beim Bauordnungs- oder Ordnungsamt. Bekommen dann z.B. verunsicherte, gescheuchte oder ratlos gemachte Hartz IV-Empfänger auch eine Freikarte für das Fitnessstudio oder die Massagebank? Oder wer seit Jahren im Streit mit der Behörde liegt wegen z.B. seinem Wintergarten, der darf bzw. muss demnächst erst einmal mit dem/der Sachbearbeiter/in zum Badminton-Duell. Und beim Apre`s-Sport klappt das mit der Genehmigung dann auch ohne Streit?

Das wär doch `mal `ne Maßnahme, so dass Bürger und Bürokra(f)t zusammen- und nicht gegeneinander stehen, oder?

WAZ-Mülheim, 15.09.2010, Mirco Stodollick
Stadtverwaltung : Macht Bürgernähe die Stadt-Mitarbeiter krank?

Lange Wartezeiten im Bürgeramt wurden im Frühsommer beklagt. Das erhöht den Stress für Bürger und Mitarbeiter.

Mülheim. Mitarbeiter der Stadt Mülheim, die häufig Kontakt zu Bürgern haben, sind öfter krank als andere Angestellte. „Konfliktträchige Begegnungen mit Bürgern“ häufen sich dort laut OB Dagmar Mühlenfeld. Ein neues Angebot soll jetzt die Gesundheit fördern.

Die Ergebnisse einer Befragung von 1490 Mitarbeitern zu Belastungen an ihrem Arbeitsplatz brachte der Dienstherrin, Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, nach eigenem Bekunden eine neue Erkenntnis: Nicht nur leide die Belegschaft unter Arbeitsverdichtung oder Fehlhaltung am Schreibtisch, sondern immer mehr auch „unter konfliktträchtigen Begegnungen mit Bürgern“. Die Stadt will nun, nach Vorbild in der Wirtschaft, den Gesundheitsschutz für ihre Beamten und Angestellten stärken.

Beim 1. Sporttag der Verwaltung am Mittwoch in der RWE-Halle, bei dem den Mitarbeiter ein reichhaltiges Schnupperangebot zur Gesundheitsvorsorge präsentiert wurde, gaben die Personalverantwortlichen der Stadt einige wesentliche Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung preis, auf deren Basis ein breit angelegtes Gesundheitsmanagement. OB Mühlenfeld misst der Prävention in ihrem „Betrieb“ eine hohe Bedeutung zu: „Wir wollen eine gute Leistung bringen, trotz des Personalabbaus der letzten Jahre.“

Drohungen und massive psychischen Belastungen keine Seltenheit

Personaldezernent Dr. Frank Steinfort bestätigte dabei, dass die Arbeitsverdichtung der vergangenen fünf Jahre ihren Niederschlag in einer leicht angestiegenen Krankenquote von aktuell rund vier Prozent gefunden habe. In einzelnen Bereichen der Verwaltung, gerade dort, wo es viel Kontakt zu Bürgern gebe, liege die Krankenquote gar bei bis zu sechs Prozent. Als Schwerpunkt für nötige Maßnahmen zum Gesundheitsschutz habe man die Sozialagentur ausgemacht. Relativ hohe Krankenstände gebe es auch in Bürgeramt und -agentur sowie im Sozialamt. „Drohungen und massive psychischen Belastungen“ seien dort keine Seltenheit.

Es sei festzustellen, dass immer mehr Bürger keinen Halt vor der Würde ihres Gegenübers mehr machten. Unverschämtheiten nähmen zu. Dabei stünden die Verwaltungsmitarbeiter vor dem schwierigen und belastenden Spagat, einerseits größtmögliche Bürgerfreundlichkeit an den Tag zu legen, andererseits aber auch ihre Selbstachtung zu wahren. Die Stadt als Dienstherrin sei gefordert, nicht nach dem Motto zu agieren: Wir bezahlen dich, dann spring auch. Vielmehr seien Mitarbeiter darin zu bestärken, das Tabu zu brechen und zu sagen: Jawohl, ich habe Angst am Arbeitsplatz.

Bogenschießen statt Büro

Die Befragung der Mitarbeiter hat weitere Schwerpunkte für ein Gesundheitsmanagement skizziert: Viel, so die Erkenntnis, lasse sich noch beim Thema „Licht, Luft und Lärm am Arbeitsplatz“ machen. Steinfort nannte auch das Wirken von Führungskräften. Offenbar war deren Gebaren häufiger Thema bei der Mitarbeiterbefragung. Die Führungskräfte, so Steinfort, seien in Seminaren zu „sensibilisieren, dass ihr Verhalten Mitarbeiter krank machen kann“. Insgesamt soll der Blick für ein intaktes Sozialklima geschärft werden.

„Wir wollen uns der Verantwortung für unsere Mitarbeiter stellen“, kündigte OB Mühlenfeld ein „auf Dauer angelegtes Konzept der Gesundheitsprävention und -fürsorge“ an. Ein geringerer Krankenstand bedeute letztlich auch mehr Service für den Bürger.

„Fit@job“ – was sich hinter betrieblicher Gesundheitsförderung verbirgt, das konnten Mitarbeiter der Stadtverwaltung am Mittwoch beim 1. Sporttag ihrer Behörde erfahren. Da tauschten viele gerne ihren Platz im Büro mit dem am Fitnessgerät, auf dem Badmintonfeld, beim Bogenschießen oder auf der Massagebank.

Sozialdezernat als Vorreiter

12 Uhr, in der RWE Rhein-Ruhr Sporthalle – alle Massageräume sind belegt. Was kann ich tun, um mich gesundheitlich fit zu halten? Darum ging’s an diesem Mittwoch. Auf Basis einer Mitarbeiterbefragung hatte ein Team aus Personal- und Sportverwaltung ein Programm gestrickt, das den Beschäftigten Anregungen geben sollte, wie sie ihren berufsspezifischen Belastungen mit Sport, Entspannung, Physiotherapie oder Wellness Kontrapunkte setzen können. Sportvereine, Krankenkassen und private Gesundheitsanbieter hatten sich begeistern lassen, an diesem Tag ihre Angebote zu präsentieren. Beim Soccer-Cup traten zwölf Teams an; Anlass hierzu war der Gedanke, den Teamgeist zu fördern. Einige Programmpunkte des Tages könnten bald Teil des Betriebssport-Angebotes der Verwaltung werden, angedacht sind auch vergünstigte Kurse.

Personalrat Bernd Bittscheidt hatte selbst zwar sein Sportzeug nicht dabei, zeigte sich aber angetan von dem, was seine Kollegen für diesen Tag auf die Beine gestellt hatten. Er betonte, dass ein Gesundheitsmanagement, wie es die Stadt nun aufbauen wolle, „zu einer modernen Verwaltung dazugehört, in der mit weniger Personal gleich viel, wenn nicht gar mehr geleistet werden muss“. Gerade vor dem Hintergrund einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei Gesundheitsschutz eine Verantwortung für die Stadt als Arbeitgeberin.

Die will laut Personaldezernent Dr. Frank Steinfort nun den Hebel zunächst im Sozialdezernat ansetzen. Hier hatte die Mitarbeiterbefragung eine besonders hohe Stressbelastung hervorgebracht. Im „Pilotdezernat“ sollen nun unter Beteiligung der Beschäftigten Strategien entwickelt werden, die der Gesundheitsvorsorge dienen.