Wählergemeinschaft Fraktion Programm Geschichte Kontakt
Gremientermine aktuelle Termine Sprechstunden
Bundesweit Initiativen und Verbände MH-Parteien Medien Treffpunkte
Pressemeldungen Bildmaterial
 

 

Inklusion als gut gemeinte Illusion ein Tabuthema?

InkluIllusionIst Kritik an den offensichtlichen Umsetzungsproblemen von schulischer Inklusion tabu oder wird gar mit Androhung von Sanktionen abgewürgt wie in Oberhausen? Über den Köpfen der betroffenen Schulen hinweg wird schulische Inklusion aber nicht wirklich umsetzbar sein!

MBI fordern endlich eine offene, ehrlichere und öffentliche Behandlung des Themas

Der mainstream preist seit Jahren die Inklusion als eine wesentliche, zukünftige Verbesserung des kränkelnden Schulsystems an. Viele Gutachter und Politiker untermauern dies mit klugen Theorien und Sonntagsreden, die auf dem Papier alle richtig zu sein scheinen, bis auf den Punkt, dass die Realitäten ausgeblendet bleiben. Förderung von Inklusion im Sinne der UN-Resolution wurde auch auf allen Ebenen als wichtige politische Zielrichtung beschlossen.
Probleme gibt es aber zu Hauf bei der genauen praktischen Umsetzung, u.a. zwischen Land und Kommunen, nicht zuletzt um die zentrale Frage, wer welche Kosten trägt. Der Streit darum ist sicherlich noch lange nicht zu Ende ausgefochten, auch wenn es zuletzt eine gewisse Annäherung gab, weil das Land etwas mehr Geld bereitstellte, womit sich die Parteipolitiker zufrieden gaben.

Doch das Landesschulgesetz zum Thema Inklusion ist weiterhin völlig unausgegoren.

Ähnlich ungeklärt wie die Finanzierung sind nämlich auch noch die genaueren Bestimmungen dessen, welche Behinderungen z.B. in allgemeinen Schulen auf Dauer inkludiert werden sollen und können bzw. welche nicht. Damit hängt auch die Zukunft der heutigen Förderschulen im einzelnen noch völlig in der Luft. Die vom Land willkürlich festgelegten neuen Mindestgrößen für Förderschulen z.B. gefährden diese z.T. damit, bevor ihre genaue Zukunft geklärt ist. In Mülheim könnten 2 der 3 Förderschulen deshalb geschlossen werden müssen, in Oberhausen 4 von 5, in Dortmund sogar bis zu 9 von 10. Auch die Frage der Wertigkeit und Bedeutung des Elternwillens ist alles andere als geklärt.

Ziemlich im Regen stehen gelassen sind aber auch viele Lehrer der sog. Regelschulen, die nun auch noch Inklusion umsetzen sollen, ohne dafür ausgebildet zu sein und ohne auch nur über die Mindeststandards an räumlicher und personeller Unterstützung zu verfügen. Mal ganz außer Acht gelassen, dass viele Schulen bereits mit den vielen neuen Zuwandererkindern zusätzlich gefordert sind, wird von oben auch noch der Versuch der schrittweisen Zwangsinklusion verordnet, ohne dass die Schulen darauf richtig vorbereitet und ausreichend ausgestattet sind.

Inklusion also als eine Art gut gemeinter Illusion? Nicht ganz, denn

unabhängig von diesen großen ungeklärten Fragen gibt es landauf, landab nicht erst seit heute bereits richtige Ansätze und Maßnahmen zur Inklusion insbesondere im schulischen Bereich, siehe das Beispiel der Anna-Freud-Schule in Köln weiter unten. Auch in Mülheim wird GU (Gemeinsamer Unterricht) inzwischen an etlichen Schulen und Schulformen praktiziert, wofür vor Jahren MIGUdie MIGU (Mülheim Initiative für GU, mehr hier) gegründet werden und sehr kämpfen musste, damals über Jahre einzig mit Unterstützung nur der MBI. Heute aber haben alle Parteien etc. die möglichst vollständige Inklusion als hehres Ziel in ihren Programmen. Insbesondere die NRW-Grünen InklusIllusion2erweitern den Forderungskatalog häufig auf „soziale Integration“, was das gutmenschelnde Wunschdenken dann noch weiter von den Realitäten entfernt. In unzähligen bunten Bildchen wie dem links wird das Heil der Inklusion gepriesen, was aber den Realitäten nicht entspricht.
In etlichen Schulen regt sich immer mehr Kritik und Unverständnis nicht nur der überforderten Lehrer, auch von Elternseite. Doch bisher wird alles möglichst unter dem Deckel gehalten. Wenn diese Kritik dann doch öffentlich werden könnte, gibt es Maulkörbe und sogar Androhung disziplinarrechtlicher Schritte, wie der untenstehende Artikel aus Oberhausen es erschreckend belegt.
Folgende Zitate aus dem WAZ-Artikel vom 24.4.15:
„Der Direktor forderte, „die reden zu lassen, die die Inklusion umsetzen müssen. Es ist eine unerträgliche Situation, dass Schulleiter und Lehrer Angst haben, sich in der Öffentlichkeit zu äußern.“ Die Probleme seien größer als allgemein bekannt. Für die Schulen sei längst „die Grenze des Zumutbaren erreicht“. Oder
„…. ich bedauere auch, dass die Lehrer hier nicht sprechen dürfen, aber bedenken Sie, in welche Lage wir die Kollegen bringen“, meinte Große Brömer (SPD). „Ich kann die dienstrechtlichen Konsequenzen nicht verhindern.“ (Herr Große Brömer ist Vorsitzender des Oberhausener Schulausschusses und auch Vorsitzender des Schulausschusses im Landtag!)
sollte man eigentlich im angeblich so demokratischen NRW mit der garantierten Rede- und Pressefreiheit nicht erwarten, oder?

Auch in Mülheim ist bisher die konkretere Diskussion über Inklusion öffentlich nicht möglich. Zwar gab es bisher noch keinen Eklat wie in der Nachbarstadt, doch braut sich auch hier wie vielerorts was zusammen. Selbst der gemeinsame Ratsantrag von CDU und MBI für den Rat am 10.4.14, die Landesregierung zur Nachbesserung des Schulgesetzes aufzufordern, wurde letztes Jahr noch von Verwaltung und rot-rot-grün-gelber Ratsmehrheit einfach von der TO gestimmt. Begründung des Rechtsdezernenten: Das sei Landessache, weshalb der Mülheimer Rat sich nicht damit befassen dürfe. Das ist zwar peinlich, aber auch arg bedenklich, gemäß der Devise
„Inklusion ist per se gut, deshalb darf man dazu nicht öffentlich kritisieren!“ Doch egal. Mehr u.a. in

  • April 15: Magazin Novo Argumente: “Inklusion: Wunsch scheitert an Wirklichkeit” hier
  • Inklusion als Illusion und in Mülheim nicht diskutabel? hier
  • WAZ 7.5.14: “LVR fördert Inklusion, doch Mülheim ruft Pauschale nicht ab” hier
  • WAZ 14.11.13: Förderschulen vor dem Aus – Opposition kritisiert “Zwangsinklusion” hier

Es wird höchste Zeit, mit dem Thema Inklusion offen und öffentlich völlig anders umzugehen, jegliche Parteilinie oder Loyalität zu Landes- oder Stadtregierung, zu RP oder Schulamt usw. außer acht zu lassen und nicht zuletzt mit allen Betroffenen zusammen die konkrete Ausgestaltung dessen zu entwickeln, was zur Frage von Inklusion sinnvoll und machbar ist bzw. was nicht! Weiter zu versuchen, Inklusion über den Köpfen derjenigen einzuführen, die sie umsetzen müssen, wird auf Dauer erfahrungsgemäß nicht gut gehen.

Eklat im Schulausschuss – Maulkorb für Lehrer bei Inklusion
WAZ Oberhausen, 25.4.15, der ganze Artikel hier

“Oberhausener Lehrer sehen große Probleme beim Thema Inklusion. Die Bezirksregierung verpasste den Lehrerräten für den Schulausschuss einen Maulkorb.
Die Personalvertreter der Lehrer-Kollegien der Oberhausener Gymnasien hätten sich sonst in der Sitzung zu ihrer Kritik an der Umsetzung des gemeinsamen Lernens von Kindern mit und ohne Förderbedarf an den Regelschulen in Oberhausen äußern können. Diese Kritik haben die Lehrer-räten schon vor einigen Wochen in einem Brief an die Schulverwaltung, die Bezirksregierung und die lokale Politik geäußert. In dem Brief ist von Frust die Rede, davon, dass sich die Lehrer und Schulen mit der Umsetzung der Inklusion alleingelassen fühlen, dass sie angehört werden wollen. Sie fordern ein funktionsfähiges Konzept für das gemeinsame Lernen an den Regelschulen. Bis dahin sollte die Schließung von Förderschulen ausgesetzt werden. ……….”

Inklusion einmal andersherum

Wenn künftig Inklusion in Regelschulen stattfinden soll, so durchbricht die Kölner Anna-Freud-Schule des LVR diese Vorgabe diametral. Die Anna-Freud-Schule ist die einzige weiterführende Schule für Körperbehinderte (Sekundarstufe I und II) in NRW und den angrenzenden Bundesländern. Die Anna-Freud-Schule in Köln fördert Schülerinnen und Schüler mit körperlichen Behinderungen sowie chronischen und psychosomatischen Erkrankungen. Als einzige weiterführende Sonderschule für Körperbehinderte in NRW unterrichtet sie in der Sekundarstufe I vorwiegend nach Realschulrichtlinien und in den Jahrgangsstufen 11 – 13 nach den Richtlinien der gymnasialen Oberstufe. In der gymnasialen Oberstufe und in einigen Kursen der Sekundarstufe I werden behinderte und nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet. Die Anna-Freud-Schule und die benachbarte Ernst-Simon-Realschule vereinbarten nun eine Art umgekehrte Inklusion. Dazu wird die ESR eine Ganztagsschule was die AFS bereits ist. Damit können Schüler der Realschule auch die Möglichkeiten einer Förderschule nutzen.