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FOC-Aus in Duisburg: Über die (Un)Verträglichkeit von noch mehr Einkaufszentren im Ruhr- gebiet: FOC-Aus mit happy end!

1495264583Die City revolutionieren, das Einkaufen wieder zum Erlebnis machen, die Innenstadt wiederbeleben. So oder so ähnlich dürften auch die Versprechungen von Investor Roger Sevenheck an die Stadt Duisburg geklungen haben, als er 2011 für den Bau des „Factory Outlet Centers“ im Stadtteil Hamborn Grünes Licht bekam. Was in den Jahren darauf folgte, würden Einige als Hängepartie bezeichnen, Andere als stadtplanerische Katastrophe auf Kosten der Anwohner. Wie es dazu kam, dass dieses Trauerspiel zum Schluss doch noch ein gutes Ende nahm, und welche Rolle der Multimillionär Walter Brune darin spielte, lesen Sie hier.

Schaut man sich die Stadtplanung bezüglich der Cities in ganz Deutschland an, kann ein Trend unweigerlich abgeleitet werden: Weg von den Innenstädten, hin zu großen Einkaufszentren. Die Zentralisierung des Einzelhandels hält seit den 1960ern Einzug in Deutschland, bekannte Vertreter sind das Mülheimer RheinRuhrZentrum, das Oberhausener CentrO oder der verhältnismäßig junge Limbecker Platz in Essen. Die Argumente pro Einkaufszentren: Die Grundstückseigentümer erzielen hohe Renditen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, das Versprechen der Belebung der City, die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit mit anderen Kommunen und die Möglichkeit des „weltmännischen“ Einkaufens für die Bürger der Stadt. Dass dabei häufig nur kurzfristig ökonomisch gedacht wird und negative Auswirkungen für die Innenstädte fast garantiert sind, hält die Stadtverwaltungen selten davon ab, Investoren Tür und Tor zu öffnen.

1081120550Im Falle des FOC in Duisburg sah das Ganze dann so aus: der holländische Investor Roger Sevenheck und seine Firma Douvil GmbH erhielt 2011 die Zusage für den Bau des Zentrums in Hamborn. Zu diesem Zweck sollte die Zinkhüttensiedlung (rechts im Bild) für einen Kundenparkplatz abgerissen werden; die Anwohner (300 Familien in 400 Wohnungen) sollten weichen. Diese gründeten prompt eine Bürgerinitiative und kämpften für den Erhalt ihrer Heimat: leider nur mit mäßigem Erfolg. Die Planung komplizierte sich schon früh: das nahegelegene Chemiewerk Grillo, zu dessen Zweck die Zinkhüttensiedlung einst gebaut wurde, lagert Schwefeldioxid in Giftfässern, wobei der nötige Sicherheitsabstand zum zukünftigen Einkaufszentrum nicht eingehalten werden konnte. Für dieses Problem versprach Sevenheck eine schnelle und einfache Lösung: leider herrschte hier Fehlanzeige.

Im Winter 2012 scheint das FOC vor dem Aus zu stehen: der Investor weigerte sich, vor der Baugenehmigung 300.000€ Grunderwerbssteuer an das Finanzamt zu zahlen, weshalb dieses sich an die Stadt wandte. Da an der Zahlungsfähigkeit von Sevenheck gezweifelt wurde, entschied sich der Rat der Stadt im Dezember 2013, eine Erklärungsfrist zu setzen. Ergebnis des Ganzen: gegen den Chef der Douvil GmbH, von dem jede Spur fehlte, wurden zwei Haftanordnungen durch das Amtsgericht Düsseldorf erlassen. Die CDU jedoch hielt weiter an ihm als Partner fest, obwohl er von der Auskunftei „Creditreform“ sogar als insolvent eingestuft wurde.

In den darauffolgenden Jahren gab es immer wieder kleine Anstöße zur Realisierung des FOC: der Douvil-Gesellschafter Robin de Groot pochte weiterhin auf den Auftrag, das Einkaufszentrum zu realisieren und drohte sogar mit Rechtsstreit. Der Widerstand gegen das Projekt im Rat wurde jedoch über die Jahre der Unsicherheit immer größer: zuerst stiegen die Linken aus, danach die SPD, zum Schluss sogar die CDU. 2016 kam dann die offizielle Absage: Der Stadtrat zog einen Schlussstrich. Was dies für die Anwohner der Zinkhüttensiedlung bedeutete, war jedoch ungewiss. So zogen die Mieter in der Zeit des Hin und Hers nach und nach aus, weshalb die Wirtschaftlichkeit der Siedlung angezweifelt wurde. Dies hätte auch ohne FOC einen Abriss wahrscheinlich gemacht. Der Widerstand der Bürger war jedoch ungebrochen, schließlich waren noch immer ein Drittel der Wohnungen bewohnt.

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Foto: Stephen Eickershoff/FUNKE Foto Services

Im Sommer dieses Jahres dann doch noch eine gute Nachricht: der Architekt Walter Brune kaufte mit seiner Düsseldorfer Immobilienfirma die gesamte Zinkhüttensiedlung und versicherte den Bewohnern, zu alten Konditionen und niedrigen Mieten wohnen bleiben zu dürfen. Gegen geringen Mietaufschlag wurden sogar Sanierungen angeboten. Zusätzlich soll die Siedlung aufgehübscht werden und in Zukunft „Zinkhütten-Park“ heißen. Die Bewohner empfingen ihn mit Jubel und Dankbarkeit. So nahm die Geschichte schlussendlich zumindest für die Bewohner des zukünftigen Zinkhütten-Parks dank Brunes Sozialverantwortlichkeit ein Gutes Ende.

Walter Brune erlangte Bekanntheit als Entwickler vieler Einkaufszentren, darunter dem RheinRuhrZentrum. Hier beobachtete er die zunehmend negativen städtischen Auswirkungen solcher Malls und wurde schlussendlich sogar zum Kritiker von Einkaufszentren, was in Büchern wie „Angriff auf die City“ deutlich wird. So warnt er immer wieder vor den Konsequenzen großer Einkaufszentren für Einkaufspassagen und Innenstädte.