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Tolles Ledermuseum in Not, von Filz und Niedrigzins in die Zange genommen?

Ein Krimi der Mülheimer Art oder „Das bedrohte Juwel des Ledermuseums“, von Filz und Niedrigzins an den Rand des Ruins gebracht?

Der unten ausschnittsweise zitierte WAZ-Artikel Geld für das Mülheimer Ledermuseum fehlt“ vom 27.10.16, nachzulesen hier, berichtete mal wieder nur die halbe Wahrheit. Das tolle Mülheimer Ledermuseum ist nämlich nicht nur von den Niedrigzinsen bedroht. Die Gefährdung ist auch eine Folge des typischen Mülheimer Filzes und seiner Machenschaften. Deshalb zur Erinnerung:

Die Lederfabrik Lindgens war die letzte in der langen Tradition renommierter Lederfabriken in der Ruhrstadt Mülheim. Lindgens war sicherlich einer der spendabelsten Unternehmer der Stadt Mülheim. Er hat z.B. für die MüGa-Wanderwege einen ganzen Streifen entlang der Ruhr von seinem Betriebsgelände verschenkt oder vor Jahren auch die neuen Stühle im Ratssaal spendiert. Er hat vor allem aber das Ledermuseum zusammen mit dem Unternehmerkollegen Bungert aufgebaut und in nur einem Jahrzehnt zu einer Perle der Stadt gemacht.

Doch dann fiel Lindgens in Ungnade, als er sein Gelände am Kassenberg für den Bau der Fachhochschule anbot, nachdem das in der Bewerbung dafür angedachte und geplante Ruhrbania-Gelände zwischen Eisenbahn- und Nordbrücke sich schnell als „falsch berechnet“ und untauglich erwiesen hatte. Das Lindgens-Gelände wäre fast optimal gewesen, doch nahezu die gesamte Mölmsche Nomenklatura inkl. der lokalen Immob.-haie sträubten sich mit Händen, Füßen und schrägen Gutachten dagegen. Ein unwürdiges Possenspiel damals 2009, mehr u.a. hier. Schließlich entriss das Land der Stadt die Entscheidungshoheit und entschied sich ob des Streits für das eher suboptimale Restgelände des SPD-nahen MWB an der Duisburger Str. neben der nagelneuen, überdimensionierten Feuerwehr. Alles wurde deshalb viel teurer und verspätete sich deutlich. Doch egal.
Unternehmer Lindgens wollte dann sein Gelände am Kassenberg von Hochtief zu hochwertigem Wohngelände umgestalten lassen. Das war bei der Expo-Real in München 2010 auch der totale Renner (anders als z.B. der Ladenhüter Ruhrbania). In der Folge muss aber die Stadt der Weltfirma Hochtief klar gemacht haben, dass sie wenig bis nichts genehmigen werde. So bekam Hochtief kalte Füße und Lindgens verkaufte an das bekannte Mölmsche Konsortium MWB/Hoffmeister/Sparkasse (das bekannte Trio mit u.a. dem Husarenstreich der Feuerwehr, Ruhrbania, Hochschule ………). Und danach war der in Ungnade gefallene Lindgens selbst beim Ledermuseum anscheinend nicht mehr so richtig erwünscht.

Im WAZ-Artikel vom 7.9.13 „Ledermuseum benötigt Unterstützung“ rief die neue Vorsitzende des Fördervereins, die ehemalige SPD-Stadtverordnete Künzel, zu Spenden jeder Art für das tolle Ledermuseum am Kassenberg auf. Sie behauptete, die Stiftung verzichte ganz auf städtische Zuschüsse und beschränke sich auf Spenden von Unternehmen und Privatleuten, weshalb zusätzliche Sponsoren gesucht würden. So aber stimmte auch das nicht:

LedermuseumVgl. WAZ vom 19.4.13: „In die Stiftung wurde eine Million Euro eingebracht: 750 000 € vom Landschaftverband Rheinland, die übrigen 250 000 € kamen aus der Mülheimer Wirtschaft und von Privatleuten. Das Geld wurde angelegt. „In Anleihen“, sagt Geschäftsführer Bungert, „wobei das Kapital voll erhalten geblieben ist und nie ernsthaft in Gefahr war.“ Während zig Stiftungen in der Wirtschaftskrise Pleite gemacht hätten, sei das Kapital in diesen Zeiten zwar „zwischendurch mal unter eine Mio. Euro gerutscht, aber dann wieder auf über eine Mio. gestiegen: „Wir haben gute Geschäfte gemacht.“ Pikantes Detail: Bei Verhandlungen mit Banken zog man das Depot ausgerechnet bei dem Geldinstitut ab, das auch Zustifter ist und einen Sitz im Kuratorium hat, und verlagerte es zu einer anderen Bank….“ Doch das brachte der „Zustifter“, die Spasskasse MH, dazu, auch den Geschäftsführer aus dem Ledermuseum herauskicken zu lassen. Der war ob des recht bösen Mobbings so getroffen, dass er sogar seine Ehrennadel an die Stadt zurückgab. Doch die WAZ weigerte sich, das auch nur zu vermelden, geschweige denn, seine öffentliche Erklärung zu drucken.

So läuft das alles mitunter in der Heimatstadt der Ministerpräsidentin …..

Kurzum: Der vorherige Hauptförderer Lindgens hat im Mai 2013 zusammen mit dem langjährigen Geschäftsführer Bungert Stiftung und Verein verlassen. In Neudeutsch war dies das Ergebnis von Mobbing oder auch „feindlicher Übernahme“. Zur Erinnerung auch: WAZ 1.5.13: „Lindgens kehrt dem Ledermuseum den Rücken“ hier und WAZ 19.4.13: „Es gärt im Ledermuseum“ hier

3 Jahre später sieht man, dass der SPD-Aufruf zu Spenden zum Überleben des Ledermuseums wenig gebracht hat. Neuer Stiftungsgeschäftsführer ist inzwischen der ehemalige Fraktionschef der Mülheimer Grünen, im Hauptberuf Beschäftigter der Sparkasse. Der weiß angeblich aber nichts Genaues, außer dass das Museum vor dem Aus stehen könnte, wenn nicht die selbst bilanziell hoffnungslos überschuldete Stadt einspringt. Die CDU glaubt gehört zu haben, das Land wolle und solle das Museum übernehmen, was aber der grüne Behrendt verneint oder aber offiziell verneinen muss. Einen derartigen Präzendenzfall würde nämlich auch die Landesregierung für die Heimatstadt der Ministerpräsidentin und der grünen Gesundheitsministerin öffentlich nicht wagen.

Und nun? Ratlosigkeit pur, in Mülheim a.d. Ruhr. Auch beim Ledermuseum rächen sich die „Fehler“ der Vergangenheit, weil Gottes Mühlen zwar mahlen, aber oft recht langsam, wenn man eine befreundete Presse hat, gell.

  • Mehr auch in LVR-Ledermuseum in Nöten? Vom Mölmschen Filz bedroht?“ hier

Kultur
Geld für das Mülheimer Ledermuseum fehlt

WAZ Mülheim 27.10.2016, nachzulesen hier
Mit den Exponaten im Ledermuseum an der Düsseldorfer Straße wird ein wichtiger Teil der Mülheimer Stadtgeschichte dokumentiert. Wegen der Niedrigzinspolitik können die Betriebskosten nicht mehr abgedeckt werden. Nach Lösung wird gesucht. Thema Freitag im Kulturausschuss. …. es geht um den Fortbestand des Leder- und Gerbermuseums, das eine wichtige wirtschaftliche Säule der Mülheimer Geschichte dokumentiert. Das in 2003 eröffnete Museum in der ehemaligen Lederfabrik Abel wurde seinerzeit als eine Innovation in der Museumslandschaft gefeiert, weil es „von Bürgern für Bürger“ in Form einer Stiftung getragen wird. Und wie fast alle Einrichtungen, die nach diesem Modell in quasi privater Hand liegen, sind die Erträge, die aus Stiftungskapital erwirtschaftet werden, längst nicht mehr auskömmlich. Das eingelegte Geld selbst darf nicht angegriffen werden. Grund ist die Niedrigzinspolitik. „Die Rechnung ist einfach“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Thomas Behrendt. Bei einem Grundvermögen von etwas über einer Mio. Euro habe man durchgängig über lange Jahre mit etwa sechs Prozent Ertrag rechnen können und kam so auf 60 000 bis 65 000 Euro im Schnitt, „die dafür ausgereicht haben, das Museum zu unterstützen.“ Das hatte ein jähes Ende mit der extremen Niedrigzinsphase,………. „So ist beim Förderverein ein Defizit entstanden.“

Keine genauen Zahlen
Genaue Zahlen gäbe es derzeit noch nicht, so Behrend: „Ich arbeite gerade an einer aktuellen Ertragssituation.“ Er geht aber davon aus, „dass viel mehr als 10 000 Euro ans Zinserträgen nicht mehr zu erwirtschaften sein werden“. Dieser mageren Summe stehen die 60 000 bis 65 000 Euro an Betriebskosten jährlich gegenüber. Einen Antrag, in dem es um die Erhaltung des Leder- und Gerbermuseums geht, hat die CDU für die heutige Sitzung des Kulturausschusses eingebracht….. Angeblich verhandele die Stiftung derzeit mit der Landesregierung NRW mit dem Ziel, die Trägerschaft für das Museum ans Land abzugeben, so die CDU. Das weist Behrendt klar zurück:……… Das Leder- und Gerbermuseum war schon immer „Chefsache“, ob bei Dagmar Mühlenfeld oder jetzt bei Oberbürgermeister Ulrich Scholten. Im Rathaus sind die Probleme angekommen. „Der Oberbürgermeister arbeitet an einer Lösung“, sagt Kulturdezernent Ulrich Ernst. …… weil sich die Stiftung NRW über den Landschaftsverband Rheinland damals an dem Museum mit 770 000 DM beteiligte, ist die Stadt die Verpflichtung eingegangen, das Haus über 25 Jahre zu erhalten. Zudem beschloss der Rat 2002 einstimmig eine Ausfallbürgschaft für den Fall, dass die Stadt einspringt, falls der Förderverein seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

….. Doch wo soll das Geld für den Erhalt des Museums bei der klammen Haushaltslage jetzt herkommen? Bislang war die Stadt finanziell nicht engagiert. Die Betriebskosten konnten viele Jahre über die Stiftung abgedeckt werden. In deren Gründungsphase Anfang 2000 gab die Mülheimer Sparkasse 50 000 DM, die Stiftung NRW speiste über den Landschaftsverband Rheinland 770 000 DM ein, der Förderverein, Privatleute und die Mülheimer Wirtschaft beteiligten sich. Über die Sparkasse ist Thomas Behrendt ehrenamtlich als Stiftungsgeschäftsführer aktiv. Seine Vorgänger, so Behrendt, „haben das Stiftungskapital sauber erhalten und gut gewirtschaftet.“ ……. 

Im Kulturausschuss am 28.10.16 verkündete OB Scholten, dass das Museum an die MST angedockt werde, ohne dass diese städtische GmbH, die selbst jährlich Millionen Subventionen benötigt, sich an den Kosten beteiligen werde. Na denn, nach Lösung sieht das nicht aus und auch der LVR hat bereits abgewunken, dass von dort keine erneute Unterstützung möglich sei.