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Wird die Tengelmann-Zentrale in Speldorf verkauft + verlagert?

WAZ Mülheim 29.12.1: “Tengelmann-Zentrale in Mülheim zum Verkauf freigegeben?” , nachzulesen hier

Tengelmann“Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass die Speldorfer Tengelmann-Zentrale alsbald Geschichte sein könnte. Wie die Süddeutsche Zeitung nun unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, soll die Firmengruppe bereits ein Verkaufsmandat für das gut sieben Fußballfelder große Areal mit Hauptanschrift an der Wissollstraße in Mülheim-Speldorf erteilt haben. Tengelmann selbst wollte dies am Freitag nicht kommentieren. ……”
Berichten zufolge will Tengelmann Mülheim verlassen.                 Foto: Martin Möller

Anm. MBI:
Das WAZ-Bild zeigt die Tengelmann-Zentrale noch mit der Aufschrift Wissoll – Schokolade und Pralinen. Die Wilhelm Schmitz-Scholl Schokoladen- und Zuckerwaren GmbH (Wissoll) als einstige wichtige Tengelmann-Tochter wurde aber bereits 2003 endgültig an die Dortmunder Fa. Van Netten verkauft, die zugehörige Mülheimer Schokoladen- und Süßwarenherstellung mit damals immer noch weit über 200 Beschäftigten  mit Hilfe von Geldern des sog. „Aufbau Ost“ ins sächsische Delitzsch verlagert, wo das nach der Wende von Tengelmann übernommene Traditionsunternehmen Böhme der „Delitzscher Schokoladenfabrik“ mit an van Netten ging. Van Netten ging 2013 in Konkurs und wurde abgewickelt, die 170 Jahre alte Produktion in DO-Brackel vollständig geschlossen. Die Delitzscher Schokoladenfabrik besteht als nun eigenständiges Unternehmen weiter, während in Mülheim außer dem Straßennamen am Eingang zu Tengelmann nichts mehr an Wissoll erinnert.
Nachdem sich der weltweit agierende Konzern mit Stammsitz in Mülheim von seinen diversen Discountern nach und nach trennte, u.a. Accos, Plus, Kaiser`s, Tengelmann usw., besitzt er noch wesentliche Anteile u.a. von OBI (74%), KIK (84%), Tedi (35%), Netto (stille 15%) und Anteile an Zalando. Die Immobilientochter Trei Real Estate besitzt und handelt mit unzähligen Immobilien weltweit, sie  übernahm 2010 alle ca. 300 ex-Woolworth-Filialen in Deutschland nach deren Schließung bis auf eine, die in Mülheim/Ruhr.

Auch wenn die WAZ im Kommentar „Die Stadt muss am Ball bleiben“ wacker und brav dazu aufruft, mit dem verbliebenen der Haub-Brüder als Chef des Familienunternehmens über die Rettung der nur noch ca. 300 Mitarbeitern in der Konzern-Zentrale in Mülheim zu verhandeln, so wird das in der Konzern-Strategie der Söhne des im März verstorbenen einstigen Patriarchen Erivan Haub wenig Aussicht auf Erfolg haben. Während der sich immer auch dem Stadtteil und der Stadt Mülheim zugehörig fühlte und mit vielen Aktivitäten verbunden zeigte, haben die Söhne nach der Übernahme der Leitung in 2000 die Heimatstadt nur wenig im Blick gehabt.  Das vermutlich größere Problem für die heutige Unternehmensführung von Tengelmann als Wünsche und Sorgen der Stadt Mülheim wird wohl darin bestehen, dass Karl-Erivan als einer von 3 Haub-Söhnen seit April tragischerweise in den Bergen am Schweizer Matterhorn verschollen ist. Da er bis heute nicht gefunden wurde, dürfte es kompliziert sein, ihn für tot zu erklären. Da er als Erbe auch persönlich haftet, könnten sich z.B. Verkäufe von Firmenanteilen u.ä. durchaus schwierig gestalten.

Wenn der WAZ-Kommentar u.a. vorschlägt, man könne Tengelmann anbieten, mit kleinerer Variante in Mülheim etwa in das leerstehende Stinnes-Hochhaus am Rhein-Ruhr-Zentrum an der A 40 zu gehen, wo die boomende Chemiefirma Brenntag vor über 1 Jahr ganz  auszog und nach Essen überwechselte, so erscheint auch das reines Wunschdenken. Doch egal, wen juckt das alles in Zeiten von Globalisierung, sprich Turbo-Kapilismus? Die direkt Betroffenen inkl. der abgewirtschafteten Stadt sicherlich, doch das wird im Hagel der alltäglichen Hiobsmeldungen, Apokalypse-Warnungen und ausführlichen Berichten von WehWehchen irgendwelcher Stars und Sternchen aus Sport, Entertainment und Königshäusern schnell vergessen sein. Genauso wie die etwa 600 hochqualifizierten Arbeitsplätze, die Siemens in Mülheim noch abbauen will oder den drohenden Arbeitsplatzverlust bei den Röhrenwerken oder, und …………….

Zur Erinnerung vom 18.10.12

100 Jahre Tengelmann, nicht nur eitel Sonnenschein!

Der Weltkonzern Tengelmann mit Sitz in Mülheim-Speldorf feierte am 16. Oktober 2012 sein 100-jähriges Jubiläum. Die Firmenpolitik des letzten Jahrzehnts war durchaus mitunter recht bedenklich. Die Söhne wohnen z.B. auch anders als Erivan Haub sen. nicht mehr in Mülheim.

Am bittersten für Mülheim war 2003 die Schließung der Süßwarenfabrik Wissoll, der Keimzelle des Konzerns. Aus einem Brief der MBI von damals an Erivan Haub: Verbundenheit Ihrer Familie und der Firma Tengelmann mit Ihrer und unserer Heimatstadt und dem Mülheimer Sport. Genauso wenig wegzudenken ist allerdings auch die “Stammzelle” von Tengelmann, das Wissoll-Werk, das seit 136 Jahren zu Speldorf und Mülheim gehört wie Salz in die Suppe. Mit Bestürzung mussten wir nun aus der Tagespresse erfahren, dass Wissoll verkauft und der Mülheimer Standort geschlossen und demontiert werden soll. Das würde zuallererst den Verlust von ca. 200 Arbeitsplätzen bedeuten, überwiegend Vollzeitarbeitsplätze für Frauen, ……“. Der ganze Brief hier. Bilder von der damaligen Demo der Wissollaner vor dem Tengelmann-Lauf 2003 hier

Doch Tengelmann-TurmTengelmann nutzte damals die Steuervorteile des Aufbau Ost und verlegte das Werk nach Delitzsch/Sachsen. Auch der Verkauf von Plus an Edeka in 2009 kostete ca. 300 Arbeitsplätze in der Plus-Zentrale in Speldorf. Auch die Immobilientochter von Tengelmann, die zuletzt die ex-Woolworth-Gebäude außer dem in Mülheim übernahm, ist nicht nur durch nachhaltige Politik bekannt. Deren Zentrale als unpassender Anbau am denkmalgeschützten ex-Stadtbad in Mülheim wurde Mitte 2011 leergezogen. Mehr in “Ruhrbania Desolata” hier 

Als besonders rücksichtslos bis brutal war sehr lange die Tengelmann-Tochter KiK berüchtigt. Deren Lohnpolitik war über Jahre als Lohndumping heftig in der bundesdeutschen Kritik. Auch das Behindern von Betriebsräten bei KiK, miserable Arbeitsbedingungen, das Ausspähen der Mitarbeiter/innen und die Kinderarbeit in Bangladesh, mit der KiK-Produkte hergestellt wurden oder noch werden(?), war immer wieder in der öffentlichen Kritik. Dazu der ARD-Film “KiK Die Story – die miesen Methoden der Textilindustrie”