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Leider nur zum 1. April: Stadt revidert VHS-Schließung leider doch nicht! Schade!

Pünktlich zum 1. April 2018 eine Oster-Sensation im verschlafenen Mülheim!

Stadt lenkt zur VHS in der MüGa nach Drohung mit Bürgerbegehren ein: Baldige Wiedernutzung des einzigartigen Denkmals  

Im ansonsten vordergründig scheinbar verschlafenen Mülheim schien gegen Ende März bei noch ausgebliebenem Frühling offiziell „Durchziehen bis zur bitteren Neige“ angesagt. WAZ+NRZ hatten zuvor noch zaghaft versucht, dem von Rot-Grün-Schwarz-Gelb und BIMH-BAMH bei Tuncer-Enthaltung beschlossenen Husarenstreich mit der Totalverweigerung jeglicher VHS-Sanierung und Anmietung einer Interims-VHS für 5, 10 oder 100 Jahre halbwegs schönzuschreiben, doch schliefen selbst die Redaktöre darüber bereits beim Schreiben fast ein. Auch sie wurden dann aber jäh aufgeweckt und –geschreckt durch folgende Kurzmeldung, die pünktlich um 0.01 Uhr an jenem denkwürdigen 1. April anno 2018 die Ticker aller lokalen und regionalen Medien zum Glühen brachte:

LogoStadtMHPressemitteilung der Stadt Mülheim a.d. Ruhr:

Aufgrund der ansonsten hoffnungslos bereits vermurksten Lage der Stadt Mülheim a.d. Ruhr haben Verwaltungsspitze – OB, Kämmerer, Baudezernent sowie der noch-IS-Chef – und „die Politik“, also die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und Grünen, folgende Maßnahmen zum Überleben der Stadt beschlossen und mit sofortiger Wirkung vom 1. April 2018 in Kraft gesetzt:

  1. Der Architekt Dietmar Teich erhält als ursprünglicher Erbauer der Volkshochschule sofortigen Zugang zum Gebäude und die Stadt bedankt sich ausdrücklich bereits vorab für das von ihm versprochene Sanierungsgutachten.
  2. Die Brandschutzarbeiten in der VHS werden noch in den Osterferien wieder aufgenommen und das Gebäude zum nächsten Semester für VHS-Kurse wieder eröffnet.
  3. Das von der Stadt angemietete ex-AEG-Gebäude an der Aktienstraße wird für die Vergrößerung und Verlagerung der Verwaltungsfachhochschule aus den Containern der ehemaligen Interimshochschule auf dem ex-Mannesmann-Parkplatz an  Neustadt-/ Dümptener Straße in Styrum zur Verfügung gestellt. Erste Verhandlungen mit dem Düsseldorfer Minister wurden bereits aufgenommen.

Begründung:
Wir, die unterzeichnenden führenden Köpfe Mülheims, haben uns nach intensiver Beratung spontan aus folgenden Gründen zu dieser eigentlich längst überfälligen Entscheidungen durchgerungen, die zweifelsohne richtungsweisend und beispielhaft für das gesamte Revier, für NRW, für Deutschland und erst recht für die gesamte EU innerhalb und außerhalb Europas sein dürfte bzw. sogar müsste.

  1. Wir gestehen ein, dass die VHS-Schließung und die bisherige Verweigerung jeglicher Sanierung, ob bei laufendem Betrieb oder auch nicht, ein kapitaler Fehler war.
  2. Ohne große Umschweife konnten wir uns sodann darauf einigen, dass eine derartige Zerstörung von wesentlicher Bildungsinfrastruktur in Zeiten von Massenzuwanderung und Digitalisierung  unverantwortlich ist. Wer, wenn nicht unsere bewährte VHS, soll denn federführend die Mammutaufgabe der Integration, vorrangig und zuerst die Vermittlung der deutschen Sprache, bewältigen können? Wer, wenn nicht das erprobte VHS-Team, kann denn überhaupt auch breitere Bevölkerungskreise mit Chancen und Risiken einer immer digitalisierteren Welt vertrauter machen und weiterbilden? Wer, wenn nicht die VHS, kann denn demnächst die unausweichliche Zunahme von fehlenden Schulabschlüssen ob der immer deutlicheren Überforderung vieler Schulen oder den Wegfall ganzer Berufszweige durch Digitalisierung per Weiterbildungskursen zumindest teilweise abfedern?
  3. Nach nur kurzer Beratung waren wir uns auch einig, dass unsere Stadt im letzten Jahrzehnt auf dem Holzweg der Betonburgeritis bereits viele vorher wichtige Orte für Kultur, Kommunikation und Bürgerengagement eingebüßt hat. Wohlwissend, dass die virtuelle Welt der smartphones ihren Zenit bereits überschritten hat und für die häufig verunsicherten sowie vereinsamten Teile der Bürgerschaft wieder verstärkt reale Möglichkeiten angeboten werden müssen, besannen wir uns auf unsere VHS als zentralen Bestandteil des gesamten Kulturensembles rund um die MüGa, den es mit allen Mittel zu stärken gilt. Wo sollen denn z.B. die vielen Zuwandererkinder auch deutsche Kinder außerhalb von überfüllten Kitas oder Grundschulen besser begegnen können als auf dem MüGa-Gelände oder dem Matschspielplatz, von wo sie dann unbeschwert die VHS-Toiletten nutzen können müssen?
  4. Nach Eingeständnis dieser Binsenweisheiten konnten wir uns zügig auf die daraus zwangsläufig sich ergebenden Maßnahmen verständigen, so dass wir sogar auf die bisher üblichen Beratungsdienste von Finanz-, Bau- oder Brandschutzexperten mit Hintergedanken auf Folgeaufträge ganz verzichten können. Das großzügige Angebot des Architekten Teich nehmen wir nun dankend und unverzüglich an. Den überforderten Immoservice IS haben wir mit dem 1. April von jeglicher Verantwortung für die VHS entbunden und diese Aufgabe zur Chefsache erklärt. Das bedeutet logischerweise auch, dass der Schuldezernent und seine VHS-Leiterin, die unsere Stadt fahrlässig in diese Sackgasse hinein manövrierten, sich von nun an verstärkt anderen Aufgaben in unserer Stadt zu widmen haben werden, etwa der Sonderbetreuung von auffälligen sog. UMA`s, also unbegleiteten minderjährigen Zuwandererburschen.
  5. Wir gestehen ein, mit der langjährigen Anmietung von VHS-Ersatzräumen an der Aktien- und Schlossstraße einen ebenfalls unverzeihlichen Bock geschossen zu haben. Der in Etatfragen unbeleckte neue Kämmerer hatte ohnehin jeden Überblick verloren und verkündet deshalb viel Ungereimtes. Erfahrenere Köpfe in der Stadtspitze haben sich deshalb bereits mit Düsseldorf in Verbindung gesetzt, ob die aus allen Nähten platzende Außenstelle der FH für Verwaltungsrecht aus dem Provisorium in Styrum nicht zumindest teilweise in das von der Stadt angemietete ex-AEG-Gebäude an der Aktienstr. ziehen könnte. Damit wäre der Stadt und der Fachhochschule geholfen.
  6. Das Bürgerbegehren zum VHS-Erhalt droht, unsere Stadt über längere Zeit vollauf zu beschäftigen. Es könnte sich sogar deutlich auf die Kommunalwahlen 2020  auswirken.

Gez. und verkündet:

Für die Verwaltung: Ulrich Scholten, Frank Mendack und Peter Vermeulen
Für die Politik:  Dieter Spliethoff (SPD), Christina Kaldenhoff (CDU) und Tim Giesbert (Grüne) im gemeinsamen, nun aufrechteren Gang über Canossa in ein besseres Mülheim

Soweit so gut, doch jede/r außenstehende Laie/Laiin reibt sich die Augen und fragt:

Was nur führte zu diesen mutigen und richtigen Entscheidungen ausgerechnet in der Ruhrbaniastadt, die bisher so denkfaul wirkte?

Die unübersichtliche Lage weltweit, die bedrohlichen Zerfallserscheinungen der EU und das blamable GroKo-Theater in Berlin haben anscheinend auch hartgesottene Zeitgenossen und –innen selbst in der Schlafstadt Mülheim ins Grübeln gebracht. Und so zogen die Mölmschen Granden selbst die Notbremse, bevor eine Dauerdiskussion um VHS, MüGa, Demokratiegefährdung, Integrationsdefizite u.v.m. als Notbremse der BI sie alle ins Wanken bringen könnte.

Doch egal: Die weise und einsichtige Mülheimer Troika aus OB, Kämmerer und Planungsdezernent hat es mit Billigung der drei subalternen lokalen Politikfürst/innen geschafft, das Ruder herumzureißen und dem bösen Spuk mit der VHS-Zerstörung ein jähes Ende zu bereiten. Und so kam es, wie es kommen musste: Mülheim ist wieder rettbar, gut so!

Inzwischen gibt es auch erste Reaktionen aus aller Herren- und Damen-Länder der Erde zu dem ungewöhnlichen Schritt, der bereits als „Wunder von Mülheim“ in Wickipedia und Brockhaus zu finden ist.

„Boh, eh, dat is` doch mal wat“, kommentierte ein namenloser Schimanski oder Abramczik die Meldung in Radio Mülheim, „dat hät` ich dem Scholten nich` zugetraut, dä wirkte bisher eher wie der Wurmfortsatz der Basta-Vorgängerin mit ihrem Ruhrbanania-Wahn“.

„Et geht doch“, freut sich ein Demokratiefan, „die sollen aufhören, uns für dumm zu verkaufen.“

Ein Franzose namens Macroni soll bereits um Audienz im Ruhrbania-Restrathaus angefragt haben und selbst Beppo Grillo aus Allitalia soll geschmunzelt haben, als er von dem sensationellen Schwenk der vorher so berüchtigten Mülheimer Filzpolitik hörte.

„Ich habe es doch immer gesagt,“ twitterte die noch ungekrönte Königin der Reste-Volkspartei im fernen Berlin, „wir Sozis sind sehr wohl lern- und umkehrfähig. Mülheim ist nur der Anfang, dem mutigen Beispiel werden sicherlich viele deutsche Städte folgen, dann die Franzosen, Belgier und später selbst die Griechen. Mülheim ist der Durchbruch! Wir schaffen auch das!“

„Was ein Pech,“ meldete sich ein anonymer Immobilienhändler zu Wort, „wenn das Schule macht, macht das Zocken mit städtischen Grundstücken bald keine Laune mehr!“.

In Essen, Duisburg und Oberhausen schweigt man offiziell noch, doch verdichten sich die Gerüchte, dass in diesen Mülheimer Vorstädten noch in der Nacht zum 1. April die jeweils gesamte Stadtspitze bereits geheim tagte, um unverzüglich Kontakt mit den weisen, weitsichtigen Mülheimer Kollegen aufzunehmen, um endlich gemeinsam einen Aufbruch Ruhr 6.0 zu schaffen.

Und so schaute die gesamte interessierte Welt von Bildungs- und Integrationsfachleuten einen  ganzen Tag lang, just am 1. April, wieder auf Mülheim a.d. Ruhr, diese Vorreiterstadt par excellence, Jahr für Jahr und 2018 erneut ganz besonders! 

Einzig aus dem republikweit wichtigsten Berliner Ministerium für Inneres, Bauen und Heimat kam nichts, kein noch so kleines Reaktiönchen zu der bahnbrechenden, klugen Mülheimer Einsicht, dass Weiterbildung und Integration entscheidende Bereiche jeglicher Zukunftsorientierung und Heimatverbundenheit sind, wofür auch alle Wünsche selbst von befreundeten Immobilienhändlern zurückstehen müssen. Was nur war in Herrn Seehofer gefahren, dass er die frohe Botschaft aus Mülheim, exakt auf sein Multitasking-Imperium zugeschnitten, nicht ebenfalls gebührend mit feiern wollte? Auch seine Herrin glänzte mit Schweigen, wie das „lame ducks“ halt zu tun belieben.

Vielleicht kann auch die Erinnerung an die Ereignisse seit dem denkwürdigen 18. Sept. 17 helfen zu verstehen, wieso die völlig ungeahnte Einsichtsfähigkeit und Weisheit in den Teppichetagen der allesamt angemieteten Mülheimer Rathausimmobilien sich in der ansonsten eher vor die Wand gefahrenen Ruhrstadt hat begeben können:

Zu Beginn der Woche der denkwürdigen Bundestagswahl im bundesdeutschen Politvakuum luden Kämmerer, Bildungsdezernent, IS, Bauaufsicht und Feuerwehr hintereinander die Fraktionen und danach die Lokalmedien zur Besichtigung des kurz davor zwangsgeräumten VHS-Gebäudes. Man verkündete gravierende Brandschutzmängel, die jedes weitere Betreten verbieten würden. Ab sofort wurde das Gebäude bis kurz vor Weihnachten von einem Wachdienst (für 6000 €/Woche) gegen jegliche Zutrittsmöglichkeit gesichert. Die 550 Kurse und 200 Kursleiter aber standen ob der überfallartigen Aktion regelrecht im Regen. In der Folge weigerte sich die Stadt konstant, die vor der Schließung begonnenen Sanierungsarbeiten im VHS-Denkmal fortzuführen. Die über 500 begonnenen VHS-Kurse des 2. Halbjahres 2017 konnten nur teilweise stattfinden in verschiedenen, wenig geeigneten Ersatzräumen. Die Anmeldungen für das 1. Halbjahr 2018 betrugen nicht einmal mehr die Hälfte der über viele Jahre vorher üblichen Anzahl. Das bedeutet auch für die besonders wichtigen Bildungsbereiche von Weiterbildung und Integration in Mülheim einen geradezu katastrophalen Einschnitt, was nur mühsam und zeitraubend wieder aufgeholt werden kann. Der renommierte, bei Errichtung des VHS-Gebäudes federführende Architekt Teich, reiste extra aus dem Ausland an und erbot sich, der Stadt Mülheim ein qualifiziertes Gutachten zum Zustand der VHS auf seine Kosten erstellen zu lassen. Doch die Stadt verweigerte auch ihm jeden Zutritt zu dem entleerten Denkmal.

Nach dem 1. Schock regte sich Widerstand auf breiter FVHS-Erhaltront gegen das leicht durchschaubare, abgekartete böse Spiel. Doch nichts konnte die Anti-VHS-Front zum Umlenken bewegen: Weder die Vorlage des Brandschutzgutachtens aus 2012 (aus einer Akteneinsicht von BI-Vertretern beim vorherigen Versuch der VHS-Beseitigung), in dem alles detailliert aufgelistet war, noch die Veröffentlichung des LVR-Gutachtens zur Denkmalwürdigkeit der VHS (in wirklich höchsten Tönen ob der Einmaligkeit unserer gelungenen Vorzeige-VHS), noch zweimalige Demos zu Ratssitzungen mit großer Beteiligung, noch eine sehr erfolgreiche Flugblattaktion auf dem Altstadt-Weihnachtsmarkt viele Tage lang schienen Verwaltung und Ratsmehrheit zu beeindrucken. Sie rückten nicht ab vom Plan der VHS-Zerstörung und Verlagerung, koste es, was es wolle. Wie ein türkischer Panzer auf dem Weg nach Afrin, hieß es „Augen zu und durch“ und Vernunft ausschalten. Als dann im Feb. auch noch Hals über Kopf schnell ein Interimsstandort für viele Jahre beschlossen wurde und Architekt Teich knallhart brüskiert wurde, war auch dem vorletzten Mülheimer überdeutlich, welch schäbiges Spiel im Gange war. Der BI „Erhalt unserer VHS in der MüGa“ blieb nur noch der Weg, mit einem Bürgerbegehren die Notbremse zu ziehen. Das wurde bei reger Beteiligung einstimmig am 22. März beschlossen und der Textentwurf noch vor Ostern eingereicht.

Fazit: Vielleicht ist der Glücksfall mit der überraschenden VHS-Rettung dann doch keine österliche Fügung, von wegen Auferstehung oder Auferstanden aus Ruinen oder was auch immer …..

Die Langfassung der Mülheimer Aprilsensation 2018 auch als pdf-Datei (884 KB)