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SWB-Mieter an der Boverstraße und Lerchenstraße geschockt: kurzfristiger Abriss von 70 Wohnungen geplant!

Als der SWB 2019 die Absicht erklärte, auf dem Gelände zwischen Boverstraße und Lerchenstraße zu bauen, hörte sich das durchaus plausibel an. Und wenn bei der aktuellen Situation hier wirklich die Wohnungen entstehen – d.h. kleine Wohnungen und Wohnungen für Familien – die tatsächlich gesucht werden, ist das sicher auch zu begrüßen, zumal es klang, als sollte hier auf bereits erschlossenem Gelände gebaut werden. Keine Eingriffe in die Landschaft, keine Baumfällungen, keine überteuerten Bauruinen. So weit, so gut.

Im Einleitungsbeschluss für den Bebauungsplan hieß es: „…sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um das überwiegend 1954 entstandene Wohnquartier an der Boverstraße zu erneuern, die Bestandsbebauung durch eine Neubebauung zu ersetzen und behutsam zu verdichten. Entlang der Lerchenstraße ist beabsichtigt, zunächst die vorhandene Wohnbebauung im Bestand zu sichern. Gleichzeitig soll auch für diesen Bereich langfristig eine städtebauliche Erneuerung und Entwicklung ermöglicht werden.“

Aber dann wurde der „Bauturbo“ erfunden und eröffnete neue Möglichkeiten. Anfang Juni bekamen die Mieter Post vom SWB. Da man jetzt die Bebauung auch ohne aufwendigen Bebauungsplan realisieren kann, soll auf einmal alles sehr schnell gehen: alle Häuser sollen abgerissen werden, schon Ende des Jahres soll alles leergezogen sein.

Die Mieter sind schockiert. Zu Recht,  denn noch 2019 bei der Aufstellung des Bebauungsplans hatte SWB die Häuser an der Lerchenstraße als erhaltenswert gesehen. Wie 55 Mietparteien auf dem angespannten Wohnungsmarkt so schnell etwas finden sollen, bleibt ein Rätsel. Noch sind  keine formalen Kündigungen ausgesprochen und die Mieter wollen die Entscheidung des SWB nicht einfach hinnehmen. Unterstützung bekommen sie von der Ortsgruppe Ruhrgebiet der Architektenvereinigung „Architects for Future“, die den Abriss grundsätzlich nicht für sinnvoll hält.

Die SPD-Ratsfraktion befürwortet den Abriss und bleibt bei den Forderungen zur Wahrung der Mieterinteressen eher vage. („…offene und transparente Kommunikation sowie Unterstützung bei der Suche nach Ersatzwohnraum“). Die MBI hatten dem Bebauungsplan seinerzeit zugestimmt. Damals war von kurzfristigem Abriss keine Rede! Schon gar nicht davon, das ganze Quartier innerhalb eines halben Jahres leerzuräumen. SWB ist kein privater Investor. Die Stadt Mülheim hält die Mehrheit der Anteile (72 % direkt, der andere Anteil gehört dem Energieversorger medl, an dem die Stadt wiederum 61% Anteile hat). Es braucht also keine Verhandlungen oder baurechtliche Lösungen, sondern der Rat bzw. die im Aufsichtsrat vertretenen Fraktionen können direkt über die Baumaßnahme entscheiden.  Und sind damit auch für die überfallartige Verdrängung der alten Mieter verantwortlich.

WAZ vom 8. Juni 2026: „SWB will ganzes Quartier mit 70 Wohnungen abreißen“ und

WAZ vom 22. Juli 2026: „Abriss von Wohnquartier: zwischen Widerstand und Zuspruch“