Anfang Juli hat der Hauptausschuss den neuen Medienentwicklungsplan für die Mülheimer Schulen beschlossen. Das bedeutet eine Investition von 17 Mio. Euro, wobei noch nicht geklärt ist, wie hoch die Förderung durch Land und Bund ausfällt. Dabei sollen auch Gelder aus dem NRW-Plan zum Einsatz kommen, obwohl diese bekanntlich nicht ausreichend sind, um alle Schulgebäude zu sanieren und auszubauen. Die Investition soll sich an den verfügbaren Fördermitteln orientieren, dennoch wird ein Eigenanteil der Stadt nicht ganz ausgeschlossen. Ein ehrgeiziges Unterfangen, auch im Hinblick auf die Mülheimer Haushaltskatastrophe. Aber nicht nur das. Es stellt sich auch die Frage, ob das Projekt nicht nur überdimensioniert, sondern sogar kontraproduktiv ist.
Es ist durchaus verständlich, wenn Kommunalpolitiker hier eine Möglichkeit sehen, durch ein ehrgeiziges Projekt Glanz in die sonst eher triste Situation des Bildungssystems zu bringen, aber teuer und „modern“ ist nicht immer gut. Vorreiter bei der Digitalisierung der Schulen waren die skandinavischen Länder, die vor rund 10 Jahren mit dem massiven Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur angefangen haben. Aktuell kehrt Schweden wieder zu gedruckten Schulbüchern, zum Schreiben von Hand zurück. Und das nicht wegen der Kosten, sondern weil man gesehen hat, dass die Lernleistung stark beeinträchtigt wird, wenn fast alles über Tablet und Smartphone gemacht wird. Das gilt besonders auch für Grundschulen.
Über den Einsatz von digitalen Lernformen entscheiden die Schulen, der Medienentwicklungsplan gibt hier nur einen möglichen Rahmen vor, der außerdem durch die Finanzierungsmöglichkeiten begrenzt wird. Bleibt also zu hoffen, dass Schulen sich hier nicht durch einen offensichtlich vorhandenen Trend unter Druck setzen lassen, sondern kritisch damit umgehen und die Erfahrungen in Skandinavien in ihre Entscheidungen einbeziehen.





