Als der VRR in einem ersten Schritt zu einer Tarifreform die Anzahl der Tickets reduzierte, konnte man schon erkennen, worauf es hinauslaufen würde. Es ist eine allgemeine Erfahrung, dass die Zusammenfassung von Preisstufen fast immer zur Angleichung der Preise nach oben genutzt wird. So war es auch hier. Die Preisstufe A1 entfällt, dadurch wird es „einfacher“ aber eben auch teurer. Genauso für die Unterscheidung Preisstufe C und D, alles jetzt zum bisherigen Preis von Stufe D. Dass dem kein allgemeiner Protest folgte, lag unter anderem daran, dass das Deutschlandticket mit derzeit 65 € günstiger ist als alle anderen Angebote.
Ab Juni wird nun aber der zweite Teil der Tarifreform umgesetzt. Damit wird das bisherige System mit den Waben abgeschafft, und die Konsequenz daraus ist, dass es nicht mehr möglich ist zwischen zwei Städten mit der Preisstufe A zu fahren. Das bedeutet, dass der Preis für Fahrten nach Essen, Duisburg oder Oberhausen sich mehr als verdoppelt. Etwas abgeschwächt wird dieser Effekt nur dadurch, dass immerhin 23 Haltestellen im Grenzbereich auch weiterhin als Preisstufe A gelten, aber eben nicht die ganze Wabe.
Betroffen sind Kunden, für die das Deutschlandticket sich nicht lohnt. Es ist aber nun kein Argument, zu sagen, da könne der Unterschied ja nicht so groß sein. Denn wer z.B. bisher stadtübergreifend 4 mal im Monat unterwegs war, soll jetzt 62,40 € statt bisher 30,40 € zahlen. Für viele ÖPNV-Nutzer sind 32 € im Monat Mehrausgaben viel Geld. Umgekehrt dürften sich die Mehreinnahmen für den VRR in Grenzen halten.
Auch das Argument des VRR, man könne ja auf das elektronische Eezy-Ticket ausweichen, ist so nicht haltbar. Das Eezy-Ticket rechnet nach Entfernung ab, ist aber nicht in jedem Fall günstiger. Vor allem aber kann und will auch nicht jeder diese Smartphone-Variante nutzen.
So wird also unter dem Deckmantel der „Vereinfachung“ eine geradezu beispiellose Preiserhöhung durchgesetzt. Die Mehrheit der Nutzer schweigt dazu, weil sie das für Vielfahrer relativ günstige Deutschlandticket nutzen. Andere, die wahrscheinlich nicht (mehr) berufstätig sind, trifft es dagegen richtig hart.
Das ist aber immer noch nicht alles. Die Stadt Mülheim arbeitet an der Fortschreibung des Nahverkehrsplans, die alle 5 Jahre ansteht. Und damit sind weitere Kürzungen des Angebots möglich. Der Rat hat im Mai über den Haushalt beschlossen und damit auch die folgende, noch sehr vage Formulierung aus dem Antrag von CDU und SPD: „Wir wollen den Zuschussbedarf für den ÖPNV begrenzen. Wir nutzen dazu die Fortschreibung des Nahverkehrsplans, um datenbasiert Angebotsdichte, Linienführung und Taktzeiten zu verbessern.“ Wie man den Zuschussbedarf ohne Angebotskürzungen realisieren will, bleibt vorerst das Geheimnis der Koalition.





