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Zum 1. April: Hoffmeister verschenkt Kaufhof für Abriss!

Pünktlich zum 1. April 2012

Ruhrbania, Ruhrbanium              

Ruhrbaniae, Ruhrbaniorum,           
als Einkaufszentrum reicht das Forum ….

Charrette um die Wette? Kaufhof-Ruine macht den Weg frei! Mülheimer Innenstadt gerettet! Ruhrbania-Zukunft nun in leuchtenden Farben! Mühlenfeld: „Der ganz große Durchbruch!“


Die Woche der charrette in der letzten Märzwoche mit Experten- und Bürgerbeteiligung im Weimarer Forschungsprojekt zur Wiederbelebung der Mülheimer Innenstadt hat Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld eine „Schatzkiste“ mit 450 Vorschlägen zur Innenstadtverwicklung beschert.

Sensation in Mülheim an der Ruhr: Gestern noch scheinbar am Boden und heute bereits der ganz große Durchbruch?! Ex-Kaufhof –Eigentümer macht den Weg frei für ein „Ende vom Totentanz am Kaufhof“! Ruhrbania damit bald vor der Vollendung und Frau OB be- und vergeistert!

Bis vor 1 Woche noch galt, was Helge S., Mülheims größter Sohn neben August Thyssen und Matthias Stinnes, im letzten Sommer so messerscharf analysiert hatte: „Die Mülheimer Innenstadt ist tot!“ und „Die spinnen!“ Mehr hier.
Keine/r gab mehr einen Pfifferling für die Zukunft der Ruhrstadt in Zeiten von aufgerüsteten Einkaufszentren wie CenTrO, RRZ, Dümptener Tor,  Limbecker Platz oder Forum Duisburg, ganz zu schweigen von baldigen Outlet-Centern selbst in Marxloh und woanders entlang der Autobahnen, Internet-Kaufhäusern, ebay und überall Trödelmärkten mit massig Neu- und Fremdwarenverkauf.

Weithin sichtbares, geradezu epochales Wahrzeichen für den Innenstadttod in der Heimatstadt von „Schuldenkönigin“ Hannelore K., ex-WAZ- und „Pro Ruhrgebiet“-Chef Bodo H. und dem Vielfach-ex, sowohl als Minister, als Veba-, RAG-, Evonik- und als Bahn-Aufsichtsratschef,  Werner M., der seit 2 Jahren leerstehende Kaufhof. Selbst Sprayer mieden ihn und die vielen Leer- und Freiflächen drumherum, weil keine Passanten zum Erkennen ihrer Duftmarken zu sichten waren. Das Leergebäude am nagelneuen zentralen ÖPNV-Halt mit seinem wunderhübschen Parkhaus im Bauklötzchen-Design dahinter verstellte zudem gänzlich den Blick auf das zentrale Mölmsche Strategieprojekt dahinter von OB Daggi und ihrer ex-Städtebau-Visionöse, der freigesetzten Desertification-Helga. Dessen embryonaler Dauerzustand ist inzwischen verflogen und neben dem genialen 4-Millionen-Wasserwanderrastplatz mit stillem Wasser diesseits der Ladenhüter-Luxuswohnungen mit Nordbalkon im neuen Stadtbad-Anbau wachsen attraktive Plattenbauten jenseits in die Höhe, wo einst ein Gartendenkmal oder ein Rathausneubau den Blick verstellten. Manch eine/r sprach bereits von „Ruhrbania Desolata“, weil Touristen und Schaulustigen ausblieben, um das am Ruhrufer entstehende Wunder der Städteplanung mitanzusehen. Wie auch, wenn der störende Leerkaufhof bisher alles verdeckte?!!

Und dann mit dem 1. April die revolutionäre Wende, der urplötzlich geplatzte gordische Knoten. Was war geschehen, um dieses „Wunder von Mülheim“ möglich zu machen?
Anfang März 2012: Tief im überschuldeten Westen der Republik und mitten in der Heimatstadt der ex- Ministerpräsidentin in spe, Hannelore Kraft, eingekeilt zwischen den Hungerleider-Städten Duisburg, Oberhausen und Essen liegt das idyllische, reiche Mülheim. Auch diese kleine Großstadt a.d. Ruhr mit -bania war auf einmal in ganz schwere Nöte geraten: Eine prestigesüchtige OB hatte sich an einer Vielzahl von „Zukunfts“projekten gänzlich verhoben, der Kämmerer hatte sich nicht nur schwer verswapt und den Überblick vor lauter PPP- und ähnlichen Umwegfinanzierungen gänzlich verloren, Ruhrbania lahmte lange schon und die gesamte Innenstadt in Nöten, am meisten auf der unteren Schloß- und der Leineweberstraße, die sich über die langen Jahre der Dauerbaustellen und hundsmiserablen Ampelschaltungen zusehends entvölkerten.


Im Bild links von links nach rechts: Stephan Kölbl, Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Jochen Hoffmeister, Dr. Marcus Kruse am 26.8.2009 bei der Präsentation der Ruhrbanium-Pläne für den Kaufhof ohne Abriss. Pünktlich 4 Tage vor der Kommunal- und Wiederwahl der OB.
Im Bild rechts von links nach rechts: Wirtschaftsförderer  Schnitzmeier, J. Hoffmeister, D. Mühlenfeld und ex-Dezernentin Sander Anfang Okt. 2009 mit bereits geändertem Ruhrbanium (inkl. Kauf-Abriss) auf der Expo-Real in München.
Danach entpuppte sich Ruhrbanium aber schnell als reine Luftnummer! Ebenso der fast sträfliche Versuch, die Interims-FH in den Kaufhof zu bekommen (zu der jeder Laie ohne Schulabschluss hätte sagen können, dass das zu teuer sein muss).
Zwischen und hinter den beiden Mölmschen Damen die Herren KK (Kölbl, Kruse, siehe auch Bild links), die kurz später mit dem sensationellen Coup beim Ankauf des Gebaüdes für das Landesarchiv in Duisburg und weitere Zeit später wegen windiger Parteispenden an OB-Kandidaten diverser Couleur bundesweite Berühmtheit erlangten.

Doch in den Mölmschen Ämtern, die jahrelang über ganz Mülheim verteilt und dennoch kompetent und übereifrig nur ans Allgemeinwohl der Stadt dachten, wollte man/frau sich nicht mit dem elendigen Zustand der Innenstadt abfinden und versuchte klammheimlich und ohne Beteiligung der demokratischen Gremien alles, um Ruhrbania und den Kaufhof-Eigentümer zu retten. Selbst den parteifremden Ramsauer aus dem preußischen Berlin mit dem bayrischen Dialekt bettelte man an und wurde fündig. Der schenkte der Stadt Mülheim ein charrette-Verfahren mit einem Weimarer Professor für lumpige paar hundert-tausend Euros. (Gerüchte besagen, man habe Mühlheim mit Doppel-h geschrieben, so dass der Bayer dies für am Main gehalten habe, als er den Zuschlag gab, doch wen juckt`s nachträglich!)

Und die charrette schlug im verschlafenen Mülheim (mit 1 „h“) ein wie eine Bombe. Die Bürger kamen in Scharen, um Vorschläge für die Wiederbelebung ihrer Stadt zu machen dorthin, wohin sie früher sogar zum Einkaufen kamen. Die Begeisterung war riesengroß, denn auch Frau Mühlenfeld versprach, dass kein einziger der 450 Vorschläge unter den Tisch fallen würde – anders als zum Bürgerhaushalt oder zur ÖPNV-„Optimierung“, doch dabei hatte sie das auch nicht wirklich versprochen.
Beim Gang durch die kleine oder große Schloßstr., beim Warten an der Ampel an der Leineweberstr., überall spürte man die Aufbruchstimmung. Ein Thema bestimmte alles: Wann kommt endlich der Kaufhof weg!

Auch Kaufhof-Eigner Hoffmeister muss das voll mitbekommen haben und er reagierte prompt und schnell. Gestern kursierte noch das hartnäckige Gerücht, er habe kurzfris-tig den Kaufhof an den Investmentfonds Cerberus verkauft, welche wohl kräftige Ren-dite wittere, Genaueres aber wusste keiner. Und heute morgen, 1. April 7.07 Uhr, diese sensationelle Meldung aus dem für 47 Mio. runderneuerten Mölmschen Rest-Rathaus:

 „Jochen Hoffmeister macht seine Ankündigung wahr: Er steht zu Ruhrbania und schenkt der Stadt den Kaufhof zur freien Verwertung, ganz im Sinne der „Wertstadt“ des sensationellen, zukunftsweisenden charrette-Verfahrens letzte Woche!    

Nur wenige Stunden nach Übergabe der 450 Ideen zur Wiederbelebung der Innenstadt hat der Kaufhof-Eigentümer Jochen Hoffmeister den allerersten Schritt zur Umsetzung getan. Nach kurzer und intensiver Beratung durch das führende deutsche Architekten- und Beraterbüro RKW  und in Absprache mit der führenden Vertreterin der Düsseldorfer Landesregierung, unserer Hannelore Kraft, hat die Stadt Mülheim sich in einer nächtlichen Dauersitzung dazu entschlossen, den gesamten angebotenen Kaufhof-Komplex ganz zu übernehmen. Die Abrissfinanzierung durch Kassenkredite ist bereits gesichert, noch vor Karfreitag sind alle Verträge unter Dach und Fach.
„Das ist der ganz große Wurf,“ so Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, „die Beseitigung dieses Schandflecks  ist für die Zukunft unserer Stadt, also für Ruhrbania, fundamental wichtig, damit regelrecht  systemisch. Nach Übereinstimmung mit der ex-Landesregierung in Wiederwahl, sowie des demokratieunabhängigen RP konnten trotz unserer 1,3 Milliarden Schulden die Abrisskosten auf dem kleinen Dienstweg unverzüglich genehmigt werden. Damit ist das jahrelange Gehampel und Gerede um Innenstadtkrise oder angebliche Probleme mit Ruhrbania endgültig Vergangenheit. Bereits nächste Woche, sofort nach den Ostertagen und noch in den Ferien wird mit dem Abriss begonnen! Ein großer Tag für Mülheim, die Zukunft beginnt heute!“
Und Kämmerer Bonan ergänzt: „Das sensationelle Geschäft ist einzigartig, und Mülheim schon wieder Vorreiter für andere notleidende Kommunen. Der Bürgersinn und das Verantwortungsgefühl der zu Unrecht als Spekulanten gescholtenen Immobilienhändler hat sich wieder einmal bewiesen, wie mit Herrn Hoffmeister zuletzt auch bei der neuen Feuerwache genauso, die wir ohne auch ihn nie so übergroß und zum Wohle fast aller hinbekommen hätten! Weil Herr Hoffmeister damit schneller und besser zusammen mit dem MWB das Ruhrbania-Baufeld 2 wird vermarkten können, ist dies der Idealfall einer Win-Win-Win-Win-Situation mit allen 4 Beteiligten!“

Frau Mühlenfeld betont weiterhin: „Der Rat wird in einem Dringlichkeitsbeschluss, unterschrieben vom SPD-Fraktionsvorsitzenden, Herrn Wiechering, und von mir, das ganze nächste Woche beschließen, dem der Rest des Rates dann am 3. Mai folgen wird. Ich bin sehr stolz, diesen ganz großen Wurf so entschlossen und kurzfristig gelandet haben zu können. Ich danke Gott für dieses Himmelsgeschenk. Noch mehr aber danke ich unserem Genossen Hoffmeister für seine Großzügigkeit! Gott schütze ihn und seine Mülheimer Immobilien! Ruhrbania, Glückauf!“

gez. Diebels, alt, Pressesprecher

Verduzt, verwirrt, fassungslos, aber auch sehr euphorisch die ersten Reaktionen:

Lison jubiliert, der MWB kappte alle Telefon- und Internetzugänge und die SPD will bereits beantragen, diesen Tag in Mülheim zum Feiertag zu machen. CDU, FDP und Grüne schweigen noch mit Blick auf die Landtagswahlen. Die MBI ganz lapidar: „Wer`s glaubt, wird selig! Im ex-Ruhrbanium ist schon so Vieles in Sekundenschnelle wieder Vergangenheit und Luft geworden!“ Und auch Frau Klar von der Bruchstraße freut sich: „ Hauptsache, die Hauptschule bleibt und unter mir!“ Doch warten wir es ab, was sich aus der sensationellen Wendung  noch alles entwickelt.

Nachwort

Wer ist nun dieser generöse Herr  Hoffmeister? Zitieren wir die WAZ vom 28.3., nachzulesen hier:

„Eine rentable Immobilienanlage glaubten Jochen Hoffmeister und der mittlerweile verstorbene Ex-Sparkassenvorstand Bodo Scheibel 2005 zu tätigen, als sie das Kaufhof-Gebäude von der Metro kauften. Heute ist der Leerstand eine Belastung für die gesamte Innenstadt. Auch für Hoffmeister selbst, der den Scheibel-Anteil am Haus selbst übernommen hat und – wie zu hören ist – eine beträchtliche sechsstellige Euro-Summe pro Jahr in die Unterhaltung des Leerstands pumpen muss.

Wer ist dieser Heinz-Joachim, genannt Jochen Hoffmeister?

Zweifelsohne eine Größe im Mülheimer Immobiliengeschäft. Hinter den Wohnungsgesellschaften, so Insider, sei der versierte, gut vernetzte Geschäftsmann „eine Größe“, mindestens in einer Reihe zu nennen mit Henning Conle (Westfalia Immobilienverwaltung) oder Hans Schafstall (Imoba Immobilien).

Hoffmeister, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, ist aktuell nicht nur mit seinem Kaufhof in den Schlagzeilen. Mit dem Bauunternehmen Heine und dem Mülheimer Wohnungsbau (MWB) wird er auf dem Ruhrbania-Baufeld 2 ein weiteres Geschäfts-, Ärzte- und Wohnhaus bauen. Bekannt ist auch die Partnerschaft mit MWB und Sparkasse in der Investorengruppe SMW. Sie hat erst jüngst nach dem kritikwürdigen Deal mit der Stadt einen Gewinn von geschätzt 9,2 Mio Euro eingestrichen – durch den Weiterverkauf der Hauptfeuerwache an einen Immobilienfonds. Erworben hat das Investoren-Trio das riesige Lindgens-Areal am Kassenberg, das für Gewerbe und hochpreisiges Wohnen entwickelt werden soll. Die Verbindungen zum MWB sind eng, ebenso zur SPD und zur Sparkasse. Mit Ex-Vorstand Bodo Scheibel und anderen Partnern kaufte Hoffmeister einst das alte MEG-Areal am Heifeskamp und machte ein Geschäft mit der Entstehung des dortigen Fachmarktzentrums.

Die Hoffmeister-Gruppe unterhält trotz ihrer umfangreichen Geschäfte mit Wohnimmobilien, Gewerbehallen und Verwaltungsgebäuden nicht einmal eine Internetseite. Hoffmeister bindet sich laut WAZ-Recherche – je nach Geschäftsfeld – an verschiedenste Partner. Unklar ist, in welchen Mülheimer Immobilien er selbst seinen Fuß drin hat oder sein Sohn Stefan, der seit mehr als einem Jahrzehnt den Markt beackert. Klar ist: Das Bürgeramt ist in Hoffmeister-Hand, auch zwei Häuser am Kohlenkamp (Mieter sind Pogge und „Der Schlesier“). Vom Telekom-Haus an der Zeppelinstraße hat sich Hoffmeister zwischenzeitlich getrennt, Besitztümer gibt es mindestens noch an der Solinger Straße in Saarn und an der Brunshof­straße (Flughafen). Auch die zwei großen Bürogebäude am Hauptbahnhof (Easy-Tower, Sozialagentur, Sparda-Bank) gehören zum Portfolio der Familie; auch hier in wechselnder Partnerschaft.

Hoffmeister stand für ein Gespräch, das seine Bedeutung als Immobilieneigentümer für die Stadt thematisieren sollte, am Dienstag nicht zur Verfügung. Er macht seine Geschäfte im Netzwerk nicht öffentlich. Und da ist er umtriebig. Ein Kenner sagt: „Wo etwas zu entwickeln ist, ist Hoffmeister ganz früh dran.“

Hans Albers, 1. April 2012   

Mehr unter

  • Sept. 09: Blamables FH-Theater: Dallas a.d. Ruhr? als pdf-Datei (183 KB)
  • 9.10.09: FH-Durcheinander hat ein Ende: Standortentscheidung für die Duisburger Str.! hier
  • Mai 10: Immobilien-Haifischbecken MH hier
  • Sept. 10: Ruhrbania, Baufeld 2, eine gigantische Geldvernichtung hier
  • 11.11.10: Ruhrbanium infinitum – FH als Rettungsanker? Hat sich Hoffmeister verspekuliert? hier
  • Nov. 10: Nagelneue Feuerwache verkauft!! Ein Husarenstück hier
  • Feb. 2011: Aus dem Innenleben des Mölmschen Filzes oder wie Mülheim an die Wand gefahren wurde … hier auch in NRhZ Nr. 290: “Über die Heimatstadt von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Wie Mülheim an die Wand gefahren wurde“, auch als pdf-Datei (124 KB)
  • April 2011: Ruhrbania-Wahnsinn als urbaner Suizid wider besseres Wissen!? hier
  • Juni 2011: Ruhrbania Desolata, und wie! hier
  • Juli 2011: Ist Mülheim eigentlich noch zu retten oder besser aufzuteilen? hier
  • März 2012: Innenstadthyperkrise größtenteils selbstgemacht? hier
  • März 2012: Hilfe für die Mölmsche Innenstadt durch Charrette? hier