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Innenstadtkrise fffff.: Chaos pur, in MH a.d.Ruhr!?

Chaos pur, in Mülheim a.d. Ruhr?
Führt Ruhrbania als „OP am Herzen der Stadt“ zu Herzstillstand und künstlichem Herzen, aber nur wenn der Investor damit Geld machen kann?

Der Kaufhof schließt im Mai. Mehrere leere Geschäfte nebeneinander auf der Friedr.-Ebertstr. gegenüber dem Kaufhof sieht schrecklich aus, hinter dem Kaufhof das leergezogene Rathaus als Riesenbaustelle und schräg gegenüber das im Herbst beendete Woolworth. Dazwischen die letztes Jahr fertig gestellte neue zentrale ÖPNV-Haltestelle und weiter hinten der todgeweihte overfly, der von 9. bis 11. April abgerissen wird (mehr dazu hier), womit dann das am stärksten frequentierte Verkehrsband der Stadt abgeschnitten wird und die nächste Riesenbaustelle auch den Norden der Stadt von der Innenstadt trennt.

Die zentrale Mülheimer Friedrich-Ebert-Straße also als „Straße des Elends und Verfalls“ und Sinnbild für Fehlplanung und -investitionen gigantischen Ausmaßes?

Nicht genug damit: An der parallelen Ruhrstr., die als Hauptverkehrsstr. auf der anderen Seite des Rathauses ganz aus dem Verkehr genommen wurde, ein Bild der Trümmer, das an Kriegszeiten erinnert: ein zerstörtes Gartendenkmal, ein alberner 4-Mio. teurer Wasserwanderrastplatz als Baustelle, ein niedergelegter Rathausneubau, ein häßlicher Stadtbadanbau, dessen „Luxus“wohnungen wie Sauerbier partout nicht verkauft werden wollen, eine leer gezogene Bücherei, die in Kürze ebenfalls zu Schutt und Asche gemacht werden soll und der Kaufhof im End-Ausverkauf.

Das ganze Gebiet zwischen Schloßbrücke/Leineweberstr., Ruhr, Ruhrstr. und Friedricht-Ebert-Str. ist der Bebauungsplan I 31 „Ruhrbania-Ruhrpromenade“ (mehr hier) – ein Musterbeispiel von Zerstörung und Verschwendung öffentlicher Gelder in gigantischen Ausmaßen, „nur weil jemand eine Vision hatte“ (Zitat einer Bürgerin beim Haushaltsforum in Broich)?

Ob und was aus dem riesigen Trümmerfeld überhaupt wird, steht dabei weiter in den Sternen. Rathaus abreißen, um das Grundstück zu verkaufen, damit dort ein 4oder5-Sterne-Hotel hinkommt, das war gestern und war nix. Nun dort ein Ärztehaus, mit dessen Bau definitiv im letzten Dez. begonnen werden sollte – so die große Ankündigung vor den Kommunalwahlen. Jetzt aber wird der Bauantrag erst zu Ende Mai eingereicht und blablabla. Ob da früher oder später doch was geht oder ob schließlich ein Rathausneubau auf dem niedergelegten wieder neu gebaut wird, um das Trümmerfeld nicht zur Riesenblamage werden zu lassen und wenigstens dem Investor das Millionengrab zu ersparen, ist die eine Sache.

Genauso schlimm sind die unausbleiblichen Folgen für den Rest der Innenstadt. Die jahrelange Großbaustelle und die bereits jetzt unausgegorene Verkehrsführung haben die ohnehin unter massivem Druck stehende City deutlich und massiv angeschlagen. Der Leerstand auf der Schloß-, der Leineweber-, der Wall-, der Bach- und der Kaiserstr. wird immer beängstigender (mehr hier). Dazu die peinliche Kübelei auf der Schloßstr. und die kleinkarierten Scharmützel mit dem am Rathausmarkt für Ruhrbania abgemuksten Wochenmarkt (mehr hier). Und jetzt auch noch Krise im Forum, dem anderen Pol neben dem Kaufhof der einst bipolaren zentralen Mülheimer Fußgängerzone, vgl. WAZ-Artikel unten.

Die hochbezahlten (Un)Verantwortlichen in MST, Planungsdezernat und SPD haben anscheinend die Glocken nicht gehört und sie agieren weiter mit einer erschreckenden Hochnäsigkeit und Arroganz, aber auch Inkompetenz. Zu allem Überfluss reißt in Kürze die medl den eben erst fertig gestellten Bürgersteig auf der Friedrichstr. auf der Seite des Handelhofs wieder auf, um Fernwärme zum ev. Krankenhaus zu verlegen, das seinerseits an der Wertgasse ab April 2 zusätzliche Stockwerke auf Block B drauf sattelt, also Baustellen auf allen Seiten. Nach Überblick und Koordination sieht das ganze sicher nicht aus. Innenstadtbewohnern und –besuchern aber wird nun seit Jahren derart viel zugemutet, das kann keine Innenstadt ohne schweren Aderlass überleben.

„OP am Herzen der Stadt“ tituliert die WAZ den heutigen Artikel vom 26. März zu den Ausflüchten des Investors Kondor-Wessels, warum selbst auf dem Trümmerfeld namens „Baufeld 1“ so schnell nichts realisierbar ist. Das Bild ist nicht unpassend, müsste aber ergänzt werden. Die Daueroperation hat nämlich das kränkliche Herz zum Stillstand gebracht. Dennoch werden als nächstes die bestehenden by-Pässe abgeklemmt. Was für ein künstliches Herz aber jemals implantiert wird, damit es sich wenigstens für den Arzt auch finanziell lohnt, steht in den Sternen.
Und die Verwandten des Koma-Patienten bestehen darauf, gleichzeitig an dem Herzpatienten auch Operationen an Beinen, Milz und Leber durchzuziehen. So ungefähr würde das Bild die zu großen Teilen künstlich und selbstgemachte Hyper-Krise der Mülheimer Innenstadt wiedergeben.

WAZ-Mülheim, 23.03.2010, Mirco Stodollick
Einzelhandel
: Sprachlos im Forum

Es soll ein großer Wurf werden, das stand für den anvisierten Umbau des Forums immer in Rede. Im Mai will das in Hamburg firmierende SEC Center Management, das die Mülheimer Handelsimmobilie seit kurzem betreut, Handfestes mitzuteilen haben.

Bis dahin, das machte gestern Geschäftsführerin Susanne Klos klar, herrsche Funkstille.

Aktueller Anlass, dem Center Management Fragen zu stellen, ist die Klage eines Textilgeschäftes im Haus, das Ende dieses Monats nach nur sechs Monaten aufgeben wird – und den Glauben an einen funktionierenden Standort Mülheim verloren hat. Brand-X, ein Modeladen für Jüngere, verramscht gerade seine Restbestände, nachdem Nachbar Arko schon Anfang des Monats seinen Mietvertrag hatte auslaufen lassen.

Scharfe Worte sind bei Brand-X zum Abschied aus Mülheim zu hören: „Die Leute sind hier einfach zu geizig. Fast jeder will handeln.“ Der Umsatz sei in den vergangenen Monaten auch deshalb mehr als die Hälfte unter der Kalkulation geblieben, weil in der Nachbarschaft zu viele Billigläden mit schlechter Ware und Tiefpreisen ansässig seien. Da habe es geheißen: „Warum sollte ich bei Ihnen eine Hose für 40 Euro kaufen? Drüben gibt es sie schon für 10 Euro.“ Die Verkäufer bei Brand-X haben sich oft gefühlt „wie auf dem Basar. Die Ein-Euro-Läden machen hier alles kaputt.“ Mit regulären Preisen für qualitativ höherwertige Ware sei am Standort kein existenzsicherndes Geschäft zu machen.

„Alles muss raus“ heißt es da schon seit Monaten beim Billig-Discount von „My Design (zweimal im Forum), Tedi ist da, auch ein Schuh-Billigheimer. Das Forum-Management schweigt dazu, ebenso wie zu der Frage nach Nachmietern für die leerstehenden Lokale, den geplanten Umbau und die Zukunft der alten Sinn-Leffers-Filiale. Die türkische Modekette MOL, die im Gespräch war, wird wohl nicht schnell ansiedeln. Sie, die Großes im Ruhrgebiet angekündigt hatte, hat schon Probleme, überhaupt ihre erste Filiale in Herne zu eröffnen.

  • Mehr zum Thema auch: “Ruhrbania, Ruhrbanium, Ruhrbaniae, Ruhrbanio, Ruhrbaniorum …. anno 2009“: Die Ruhrbania-Ruhrpromenade – ein  Leuchtturmprojekt als Scherbenhaufen und finanzielles Debakel als PDF-Dokument (134 KB)