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LVR-Ledermuseum in Nöten? Vom Mölmschen Filz bedroht?

8.9.13: Bundesweiter “Tag des offenen Denkmals”. In Mülheim zu besichtigen sind Bismarckturm, Camera Obscura, Polizeipräsidium Von-Bock-Str., Schloß Broich, Alte Dreherei, Kulturzentrum Fünte, Tersteegenhaus, Ledermuseum und St. Theresia von Avila. Nachdem etliche Mülheimer Denkmäler in den letzten Jahren von der Stadtpolitik geopfert wurden wie das Fachwerkhaus Auerstr. 46, vor allem aber das Gartendenkmal für Ruhrbania, droht als nächstes der Abriss der Troostschen Weberei und die Villa Scheffelstraße! Zusätzlich droht Gefahr für Denkmalschutz, weil das Land NRW die Mittel für den Denkmalschutz rabiat zusammenstreichen will!

Doch dann das pünktlich zum Tag des „offenen Denkmals“

SPD-Mülheim ruft zu Spenden für das LVR-Ledermuseum auf. Wieso das denn? Oder „Mülheim, wie es leibt und ….“

Im WAZ-Artikel vom 7.9.13 „Ledermuseum benötigt Unterstützung“ ruft die neue Vorsitzende des Fördervereins, die ehemalige SPD-Stadtverordnete Künzel, zu Spenden jeder Art für das tolle Ledermuseum am Kassenberg auf. Sie behauptet, die Stiftung verzichte ganz auf städtische Zuschüsse und beschränke sich auf Spenden von Unternehmen und Privatleuten, weshalb zusätzliche Sponsoren gesucht würden. So aber stimmt das nicht:

Vgl. WAZ vom 19.4.13: „In die Stiftung wurde eine Million Euro eingebracht: 750 000 € vom Landschaftverband Rheinland, die übrigen 250 000 € kamen aus der Mülheimer Wirtschaft und von Privatleuten. Das Geld wurde angelegt. „In Anleihen“, sagt Bungert, „wobei das Kapital voll erhalten geblieben ist und nie ernsthaft in Gefahr war.“ Während zig Stiftungen in der Wirtschaftskrise Pleite gemacht hätten, sei das Kapital in diesen Zeiten zwar „zwischendurch mal unter eine Mio. Euro gerutscht, aber dann wieder auf über eine Mio. gestiegen: „Wir haben gute Geschäfte gemacht.“ Pikantes Detail: Bei Verhandlungen mit Banken zog man das Depot ausgerechnet bei dem Geldinstitut ab, das auch Zustifter ist und einen Sitz im Kuratorium hat, und verlagerte es zu einer anderen Bank….“

Von wegen einzig und allein Spenden von Unternehmen und Privatleuten! Doch egal:

„Aktuell befindet sich der zugehörige Förderverein allerdings in grundlegenden und teilweise schwierigen Umstrukturierungsmaß-nahmen“ ist im WAZ-Artikel vom 7.9.13 ferner zu lesen.

Was könnte das denn bedeuten?

Eigentlich sehr einfach: Der bisherige Hauptförderer Lindgens hat im Mai zusammen mit dem langjährigen Geschäftsführer Bungert Stiftung und Verein verlassen. In Neudeutsch war dies das Ergebnis von Mobbing oder auch „feindlicher Übernahme“. Mehr in den WAZ-Artikeln vom

  • 1.5.13: „Lindgens kehrt dem Ledermuseum den Rücken“ hier und
  • 19.4.13: „Es gärt im Ledermuseum“ hier

Die Lederfabrik Lindgens war die letzte in der langen Tradition renommierter Lederfabriken in der Ruhrstadt Mülheim. Lindgens war sicherlich einer der spendabelsten Unternehmer der Stadt Mülheim. Er hat z.B. für die MüGa-Wanderwege einen ganzen Streifen entlang der Ruhr von seinem Betriebsgelände verschenkt oder zuletzt die neuen Stühle im Ratssaal spendiert. Er hat vor allem aber das Ledermuseum zusammen mit dem Unternehmerkollegen Bungert aufgebaut und in nur einem Jahrzehnt zu einer Perle der Stadt gemacht.

Doch dann fiel er in Ungnade, als er sein Gelände am Kassenberg für den Bau der Fachhochschule anbot, nachdem das in der Bewerbung dafür angedachte und geplante Ruhrbania-Gelände zwischen Eisenbahn- und Nordbrücke sich schnell als „falsch berechnet“ und untauglich erwiesen hatte.

Das Lindgens-Gelände wäre fast optimal gewesen, doch nahezu die gesamte Mölmsche Nomenklatura inkl. der lokalen Immob.-haie sträubten sich mit Händen, Füßen und schrägen Gutachten dagegen. Ein unwürdiges Possenspiel damals 2009, mehr u.a. hier

Schließlich entriss das Land der Stadt die Entscheidungshoheit und entschied sich ob des Streits für das weniger als suboptimale Restgelände des MWB an der Duisburger Str. neben der nagelneuen, überdimensionierten Feuerwehr. Das war dann nicht unwesentlich daran schuld, dass zum Doppeljahrgang jetzt überhaupt noch nichts fertig ist von der neuen Hochschule, obwohl ursprünglich eine Vorgabe!

Nun wird also weiter in den Containern auf dem Mannesmann-Gelände in Styrum die Hochschule Ruhr-West aufgebaut. Auch dieser Interimsstandort kam recht verspätet zustande. Fast 1 Jahr lang wurde noch alles versucht, um Hoffmeisters leeren Kaufhof zur Interims-FH zu machen. War im Endeffekt aber viel zu teuer, welche Überraschung.

Auch ohne wurde alles viel teurer, sind ja „nur“ Steuergelder, gell …. Auf dem Lindgens-Gelände wäre übrigens auch die Interimslösung bereits vor Ort möglich gewesen, doch egal.

Unternehmer Lindgens wollte dann sein Gelände am Kassenberg von Hochtief zu hochwertigem Wohngelände umgestalten lassen. Das war bei der Expo-Real in München 2010 auch der totale Renner (anders als z.B. der Ladenhüter Ruhrbania).

In der Folge muss aber die Stadt der Weltfirma Hochtief klar gemacht haben, dass sie wenig bis nichts genehmigen werde. So bekam Hochtief kalte Füße und Lindgens verkaufte an das bekannte Mölmsche Konsortium MWB/Hoffmeister/Sparkasse (das bekannte Trio mit u.a. dem Husarenstreich der Feuerwehr). Die machen dort am Kassenberg aber vorerst nichts, weil erst noch Ruhrbania vermarktet werden muss, ach ja und gebaut ….. nach Jahren des Durcheinanders.

Und danach war der in Ungnade gefallene Lindgens selbst beim Ledermuseum anscheinend nicht mehr so richtig erwünscht.

Und nun werden dringend Spenden benötigt, damit das Juwel des Ledermuseums nicht den Bach runtergeht …………….

So läuft das alles mitunter in der Heimatstadt der Ministerpräsidentin …..

P.S.: Das oben in der WAZ vom 19.4. angesprochene „beleidigte“ Geldinstitut ist … richtig geraten! War auch nicht schwer, die Spasskasse zu erraten, gell.

Mehr u.a. in

  • Juni 11: Bazillus spezialdemokratus filzikus Mülheimiensis hier
  • Feb. 11: Aus dem Innenleben des Mölmschen Filzes oder wie Mülheim an die Wand gefahren wurde … hier
  • Nov. 10: Ruhrbanium infinitum – FH als Rettungsanker? Hat sich Hoffmeister verspekuliert? hier
  • Mai 10: Immobilien-Haifischbecken MH hier
  • Okt. 09: FH-Durcheinander hat ein Ende. Riesenblamage für Mülheim! hier
  • Sept. 09: MBI-Faltblatt 9-09: “ Mülheim pur, in Dallas a.d. Ruhr? Das hochnotpeinlich blamable FH-Theater “ auf den Seiten 2+3, als pdf-Datei (183 KB)

Nachtrag

Mal abgesehen davon, dass es alles andere als schön ist, wie die Stadt Mülheim mit einem verdienten Bürger umsprang, der u.a. auch über Jahre ehrenamtlich für die Stadt und den Verein der „Schlitzohren“ tätig war, um das Mülheimer Projekt des Wiederaufbaus der Stadt Hambantota in Sri Lanka nach dem verheerenden Tsunami zu betreuen, wofür Herr Lindgens von der Stadt auch nichtgerade besonders mit Lob überschüttet wurde ………………

stellt sich die Hauptfrage aber nach der Zukunft des Ledermuseums, nachdem die Hauptförderer von Bord gegangen sind bzw. wurden:

  • Wird die Stadt auf Dauer einspringen müssen, wenn der SPD-Spendenaufruf nicht genug Geld erbringt, um den Betrieb des Ledermuseums zu garantieren?

Die ganze Geschichte ist kein Ruhmesblatt für unsere Stadt, eher im Gegenteil, und man darf sie auch nicht einfach auf sich beruhen lassen.