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Skandal um Chefgehälter der neuen ÖPNV-Gesellschaft: Krokodilstränen zu einer Filzgeschichte par excellence?

Vorab:
Zum Jan. wurde der MVG-Fahrplan erneut ausgedünnt und die unzumutbaren Fehler des unausgegorenen Mülheimer Nahverkehrsplans wie u.a. der Wegfall der Buslinie 132 seit letzten Juni sind immer noch nicht korrigiert. Da empören die Chefgehälter der neuen ÖPNV-Gesellschaft völlig zu recht viele Menschen in Essen und Mülheim. Bei ÖPNV-Nutzern und „normalen“ Beschäftigten ist das mehr als verständlich. Bei dem größten Teil der Mülheimer „Politik“ dagegen wirkt die Empörung wie Krokodilstränen, denn sie alle waren beteiligt, und zwar nicht zu knapp.  Die WAZ schreibt:

Chefgehalt bei der Verkehrsgesellschaft empört Politik

WAZ Mülheim, 14.1.17, nachzulesen hier
Mülheim.   Das Jahresgehalt von 250 000 Euro für Uwe Bonan als einer der beiden Geschäftsführer von Evag/MVG steht massiv in der Kritik. ………..“

Es lohnt kaum, auf die einzelnen statements der Empörung, gespielten Verwunderung o.ä. in dem Artikel einzugehen, denn:

Die neue vereinte Verkehrsgesellschaft nach dem jämmerlichen Ende der halbherzigen VIA hat noch keinen Namen, da ist sie als Selbstbedienungsladen der Geschäftsführer bereits in Verruf geraten. Zumindest in Mülheim sind nun anscheinend alle „empört“. Doch große Teile „der Politik“ können aber nicht überrascht sein, am wenigstens der OB. Der ehemalige MVG-Geschäftsführer Wandelenus hatte durch seine Parallelfunktion als Technischer Vorstand im Via-Verbund mit Duisburg und Essen z.B. weitaus mehr Gehalt eingestrichen als die knapp 193 000 Euro, die der aktuellste Beteiligungsbericht der Stadt für 2015 für seine Geschäftsführertätigkeit bei der MVG ausweist. Von der Evag kassierte er knapp 50 000 Euro obendrauf, von der Duisburger DVG flossen gar mehr als 80 000 Euro zusätzlich auf sein Konto. Machte zusammen 322 778 Euro und 16 Cent, plus Altersvorsorge, plus Dienstwagen. Und die Sparkassenchefs und der BHM+medl-Chef verdienen wohl noch mehr in den städt. Gesellschaften der bankrotten und sogar bilanziell überschuldeten Stadt Mülheim!

Ist also Bonan sogar ein „Schnäppchen“,
weil 70.000 € „billiger“ als Wandelenus?

Nein und nochmals nein, denn

  1. Verdient Bonan nun weit mehr als doppelt so viel wie als Kämmerer
  2. Ist er nicht gerade ein ausgewiesener Fachmann für ÖPNV
  3. Wurde er erst vor 3 Jahren als Pöstchendeal zwischen SPD und CDU für 8 Jahre als Kämmerer wieder gewählt.
  4. Der städtische Haushalt ist in größtmöglicher Unordnung. Bonan hinterlässt also ein finanzielles Riesenchaos und wird dafür mit Riesensprung beim Einkommen für seinen Abgang „belohnt“.
  5. Die „Suche“ nach einem schnellen Nachfolger als Kämmerer war in Wirklichkeit keine Suche, sondern ein abgekartetes Spiel und das auch noch völlig unprofessionell!

Bonans „Aufstieg“ oder wie auch immer man seinen bestens dotierten Berufswechsel bezeichnen mag, wirkt durchschaubar inszeniert. Als er im Juli völlig überraschend zum 2. Geschäftsführer der MVG „nebenberuflich“ installiert wurde, war zumindest im Rat und in der Öffentlichkeit noch keine Rede davon, dass EVAG und MVG fusionieren sollten, weil die VIA-Zukunft noch nicht endgültig geklärt war. Das geschah erst im August. Bereits im September beschloss dann der Rat mit immerhin deutlicher Mehrheit in geheimer Wahl, Bonan ab Jan. zum Geschäftsführer der EVAG/MVG-Fusion zu machen. In der gleichen Sitzung wurde beschlossen, einen neuen Kämmerer zu bestellen, doch wurde „vergessen“, die Ausschreibung zu beschließen. Die wurde dennoch gemacht und im Rat im Dez. als „Dringlichkeitsbeschluss“ nachträglich beschlossen. Was dann auch noch rund um die Mendack-Wahl geschah, war unwürdig. Doch egal.

Die gesamte Geschichte wirkt wie aus dem berüchtigten Ruhrgebietsfilz vergangen geglaubter Zeiten.

Der OB, der ex-Kämmerer und die meisten Mülheimer Ratsfraktionen haben der Stadt einen Bärendienst erwiesen mit der gesamten Bonan/Mendack-Saga. Und sie haben kräftig mitgeholfen, dass die fusionierte Verkehrsgesellschaft mit Essen einen glatten Fehlstart hingelegt hat. Damit haben sie dem gesamten Ruhrgebiet geschadet, weil die überfällige Vereinheitlichung der vielen ÖPNV-Gesellschaften dadurch erschwert wird. Dieses teure und wenig effektive Manko ist ein gravierender Standortnachteil für das problembeladene Revier.

Die MBI fordern wie seit langem u.a.

  • Das erbärmliche Gehampel um die ÖPNV-Zukunft muss endlich beendet werden! Ministerium und RP müssen die Federführung übernehmen und die Ruhrstädte zur Fusion ihrer Verkehrsgesellschaften zwingen, zuerst im westlichen Ruhrgebiet (DU, MH, E und OB!). Das beschämende Scheitern selbst der halbherzigen VIA darf sich nicht wiederholen! Die Fusion von MVG mit EVAG ist zwar ein richtiger kleiner Schritt, was aber daraus wird, ist noch unklar. Dass Mülheim just den Kämmerer, der die Stadt in den Bankrott manövriert hat, zum Geschäftsführer der fusionierten Gesellschaft hochbefördert hat, ließ von Anbeginn an wenig Gutes befürchten!
  • Selbstbedienungsmentalität und Misswirtschaft in Serie müssen eingedämmt werden! Es sind nicht nur die üppigen Gehälter in den Führungsetagen der städtischen Beteiligungen, der Fall Rinas hat auch einen unvorstellbaren Sumpf in diversen Korruptionsnetzwerken offenbart.
  • Sukzessive Auflösung aller Ausgliederungen, städtischer und halbstädtischer GmbHs u.ä., und Rücküberführung in den Kernhaushalt bzw. in gemeinsame Bereiche mit Nachbarstädten. Leider wurde mit der Verlängerung der medl-Verträge mit dem RWE für weitere 20 Jahre die Zukunft gerade erst in einer der wichtigsten Beteiligungsgesellschaften verbaut oder verkauft, wie auch immer man das bewerten will.

Zu Bonans „Berufung“ als ÖPNV-Geschäftsführer hatten die MBI im Sept. 16 u.a. folgende Stellungnahme abgegeben:
„Die MBI haben gegen seine Wiederwahl als Kämmerer im Herbst 2013 gestimmt, als er trotz verheerender Bilanz wiedergewählt wurde. Nun also wird oder will er als Chef der gemeinsamen ÖPNV-Gesellschaft mit Essen werden. Unabhängig davon, ob und wie sich das für ihn auszahlt, können die MBI dem nicht zustimmen. Bonan hat sich bisher nicht als Fachmann für das große ÖPNV-Problem des Ruhrgebiets hervor getan. Sein „Bus statt Bahn“, mit dem er dem BHM-Chef beigepflichtet hat, ist ein Irrweg für eine Millionenmetropole wie das Ruhrgebiet und sogar kirchtürmelnder Unfug für eine kleine Teilstadt mittendrin. Der erst vor kurzem wiedergewählte Kämmerer sollte lieber den Katastrophenhaushalt in Ordnung bringen, bevor sich ein neuer mit dem Scherbenhaufen befassen muss.“ Mehr hier