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Das Seiteneinsteiger-Problem, die Gustav-Heinemann-GS und die Ratlosigkeit einer blauäugigen Einwanderungspolitik

Gustav-Heinemann-GesamtschuleAm 5. Mai ist Bildungsausschuss der Stadt Mülheim, in dem der Hilferuf der Elternvertreter der Gustav-Heinemann-Gesamtschule (GHS) wegen der bedrohlichen Überforderung durch viel zu viele Seiteneinsteiger behandelt werden muss, den Verwaltung und alle außer MBI und Linken im Hauptausschuss nicht behandeln wollten, aber irgendwie doch mussten. Nun ist die Stellungnahme der Verwaltung veröffentlicht worden, eine Zumutung bei dem Versuch, irgendwie nicht reale heile Welt zu beschreiben, wo Mülheim sich doch als Muster- und Pionierstadt zur Bewältigung der Flüchtlingskrise versteht und vermarktet!

Die Vorlage für den Punkt 5 im Bildungsausschuss „Aktuelle Situation Seiteneinsteigerbeschulung Gustav-Heinemann-Schule“ (immerhin die größte und beliebteste Mülheimer Schule!) als Antwort auf die Eingabe der Elternvertreter ist nachzulesen als pdf-Datei (124 KB). Die Verwaltung ist augenscheinlich im Erklärungsnotstand und vollführt wahre Eiertänze, denn nicht nur die GHS ist mit der Seiteneinsteigerproblematik überfordert, auch der gesamten Bildungslandschaft vor Ort geht es ähnlich. Und das wahrscheinlich nicht nur in der Heimatstadt der Ministerpräsidentin!

Doch zurück zur GHS.
Lassen wir die nicht unerheblichen Disziplin-, Kommunikations- und kulturellen Probleme mit Seiteneinsteigern aus vieler Herren Länder gleichzeitig gänzlich außer acht, so hat die bisher insgesamt hervorragend funktionierende GHS-Gesamtschule ein nicht mehr lösbares quantitatives Problem, und zwar in gleich dreifacher Hinsicht:

  1. Die noch im Bildungsausschuss im März angekündigte Zuweisung weiterer Seiteneinsteiger-Schüler noch dieses Schuljahr mit der Eröffnung einer 7. Extra-Klasse nur für neu zugewanderte Schulpflichtige an der GHS drohte,  die mit der SE-Problematik bereits überlastete Schule in ihrer gesamten Funktionsfähigkeit zu gefährden. Aufgrund der ausführlich begründeten dringlichen Eingabe der Elternvertreter nahm die Verwaltung im Hauptausschuss auch deutlich Abstand von ihren Plänen (zumindest für das laufende Schuljahr), auch wenn die Eltern selbst auf wenig demokratische Weise ihre Hilferufe nicht selbst darlegen durften. Doch auch im kommenden Schuljahr kann die GHS keine 7. Extra-SE-Klasse verkraften. Dazu fehlt in dem Verwaltungsschreiben jegliche Aussage, geschweige denn Zusage! Das im Hauptausschuss zugesagte aktuelle Aussetzen der SE- Zuweisung sorgt lediglich für eine kurzfristige Beruhigung, stellt aber keine  Problemlösung dar!
  2. Die GHS hatte sich Anfang 2016 bereit erklärt, der Stadt in der Notlage der Flüchtlingswelle zu helfen und für maximal 6 Jahre SE-Schüler von höchstens 6 Klassen, d.h. max. 108 SE-Schüler, aufzunehmen und zu integrieren. Voraussetzung und Bedingung für die Übernahme dieser Mammutaufgabe war, dass die Schule keinesfalls achtzügig werden kann und darf! Weil die SE-Schüler nach spätestens 2 Jahren aus den Extraklassen auf die Regelklassen verteilt werden, besteht das große Problem, dass neben den 6 SE-Extraklassen, so es auch im nächsten Schuljahr nicht doch noch 7 werden würden, die bisherigen SE-Schüler größtenteils auf die bisher 7-zügigen Regelklassen der GHS verteilt würden oder werden könnten. Dann würde die Gesamtschülerzahl auf ca. 2000 anwachsen und eine 8-Zügigkeit wäre unvermeidlich, es sei denn, man nähme pädagogisch unverantwortliche Riesen-Klassenstärken in Kauf. Zu dieser sehr grundlegenden Frage hat die Verwaltung noch überhaupt kein Konzept, wie das nichtssagende Wischi-Waschi zu 4.) Unterpunkt 3.) „Klassenstärken/Schülerzahlenentwicklung“ in der Vorlage (siehe Anhang) auf erschreckende Art und Weise verdeutlicht. Und das, obwohl das Schuljahr 2016/17 bereits seinem Ende entgegen geht! In dem Bericht der Verwaltung wird auch jegliche Lösung der höchst problematischen  Überschreitung der Schülergrenzen an der GHS (Sicherheitsbestimmungen in den Fachräumen, fehlender Platz für den Ganztag, …….) einfach ausgeklammert, obwohl in der Elterneingabe sehr eindringlich und dezidiert angesprochen!
  3. Die GHS hat seit vielen Jahren riesige Anmeldezahlen und muss stets ca. ein Drittel ablehnen, was mitunter auch zu Gerichtsverfahren führt wie vor Monaten arg medienwirksam geschehen. Da für das kommende Schuljahr mehr als eine gesamte Klassenstärke des 5. Jahrgangs aus Zuweisungen durch die Schulbehörde bestehen soll, neben Inklusionskindern hauptsächlich SE-Schüler, erhöht sich die Zahl der Abweisungen um weitere ca. 30. Das schränkt die Handlungsfähigkeit der Schule deutlich ein und erhöht die Unzufriedenheit vieler Eltern im gesamten Stadtgebiet wegen mangelnder Wahlfreiheit für ihre Kinder noch mehr. Logischerweise kann dadurch auch das bewährte gute pädagogische Konzept der Schule in Mitleidenschaft gezogen werden.

Fazit: Mit der bisherigen Herangehensweise sind die SE-Probleme insgesamt kaum noch zu lösen, ohne betroffene oder wie im Falle der GHS stark betroffene Schulen in ihrer bisherigen Funktionsfähigkeit deutlich zu beeinträchtigen oder gar nachhaltig zu schädigen. Viel zu lange wurde auch in Mülheim nach dem Merkel-Motto „Wir schaffen das“ versucht, absehbare Folgeprobleme zu leugnen und zu überspielen. Die MBI hatten im letzten Herbst versucht, mit Anträgen und Anfragen für die Problemlage zu sensibilisieren, waren aber ziemlich rüde abgekanzelt worden. Doch egal.

Weiter unten einige Anregungen aus der MBI-internen Beratung. Vorab, weil es sich ja hauptsächlich um die Folgen übergeordneter Politik handelt:

  1. Bundes- und Landespolitik müssen alles daran setzen, um den anhaltenden Zustrom von schulpflichtigen Kindern nach Deutschland und verstärkt in Ballungsgebiete wie dem Ruhrgebiet zu regulieren und einzudämmen. Wenn trotz vorerst abgeebbten Flüchtlingsströmen alleine in Mülheim monatlich weitere 40 zusätzliche Seiteneinsteiger auf die Schulen der kleinen Großstadt verteilt werden müssen, so türmen sich die Probleme weiter auf, obwohl viele Schulen schon am Rande der Überforderung arbeiten.
  2. Verschiedene bisherige Dogmen auf Bundes-, Landes- und auf kommunaler Ebene müssen dringend korrigiert oder über Bord geworfen werden, weil sie realitätsfremd sind und in ihrer Naivität vieles andere gefährden. „Natürlich“ ist z.B. nur ein Teil der SE-Schüler nach 2 Jahren Einstiegsphase auch wirklich befähigt, in Regelklassen mithalten zu können. „Natürlich“ sind z.B. pubertierende SE-Schüler nicht immer übermotiviert und integrationswillig, unabhängig von kulturellen Gegebenheiten und schulischen Vorkenntnissen. „Natürlich“ ist geordneter Unterricht in einer Regelklasse immer schwerer möglich, wenn zu viele verschiedene Problematiken gleichzeitig vorhanden sind neben Inklusion und Integration eben auch noch die bestehenden „normalen“ Probleme hier geborener nicht behinderter Jugendlicher. „Natürlich“ ………….

Zusammengefasst: Es ist überfällig, ideologiefreier und pragmatischer auch mit der SE-Problematik umzugehen.

Der Philologenverband hat z.B. als erster Lehrerverband vor kurzem gefordert, die Zahl der Zuwandererkinder pro Klasse zu begrenzen und wurde dafür erst einmal öffentlich abgekanzelt. Das passt (noch) nicht in die bisherige, realitätsblinde Propagandalinie und schon überhaupt nicht kurz vor den NRW-Wahlen im wichtigsten deutschen Bundesland. Alle Parteien außer der AfD versuchen vor den Wahlen das Riesenproblem zu umschiffen und alle fordern unisono mehr Lehrer, die es aber auf dem leergefegten Markt nicht gibt. Die AfD möchte möglichst jede weitere Zuwanderung stoppen und möglichst viele abschieben, will aber die real existierende Problematik für die Schulen genauso wenig anerkennen.

Zurück zu Mülheim und der GHS. MBI-Anregungen:

  1. Das Gebäude der ehemaligen Hauptschule Kleiststraße muss vorrangig wieder benutzbar gemacht werden, und zwar für reine SE-Klassen.
  2. Die Zuteilung der SE-Schüler nach 2 Jahren Einstiegsphase müsste dringend überdacht und neu und anders organisiert werden. Dabei sollte auch ermöglicht werden, dass Schüler, die noch nicht wirklich „reif“ für Regelunterricht sind, eine Verlängerung in SE-Klassen bekommen.
  3. Für die Gustav-Heinemann-Gesamtschule darf es auch im nächsten Schuljahr keine 7. SE-Klasse geben und die Zuweisung von SE-Schülern in Regelklassen darf nur in vollem Einvernehmen mit der Schule vor sich gehen.