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Mehrfachskandal mit dem Fallwerk Weseler Straße

Schweres Versagen der Mülheimer
Stadtplanung

und Wirtschaftsförderung!?

Zu einem langjährigen Riesenproblem unserer Stadt Mülheim kam im Juli 2010 ein Hoffnungsschimmer auf. Eigentümer und Geschäftsführer des Fallwerks an der Weseler Str. hatten Vertreter von Anwohnern und MBI zum Gespräch gebeten. Sie stellten ihre Pläne vor, dieses extrem störende Werk zu verlagern. Sie hatten auch bereits ein Gelände im Auge, nämlich ein großes städtisches Gelände am Südhafen neben dem Stahl- und Schrottwerk Blume. Dieses Gelände habe man seinerzeit 2005 zur Betriebserweiterung kaufen wollen, doch habe die Stadt ihnen per Vorkaufsrecht das Gelände vor der Nase weggeschnappt. Nach größeren Veränderungen in der Firma würde heute das Gelände ausreichen, um die Teile dorthin umzuverlagern, die in Zukunft noch benötigt würden. Die beiden Falltürme an der Weseler Str. würde man dann auch ganz stilllegen. Alle waren angetan von einer möglichen Lösung eines wirklichen und jahrzehntealten Problems. Man fuhr gemeinsam zur Ortsbesichtigung und erste Zweifel kamen auf, weil auf dem hinteren Teil des Grundstücks ein Bagger werkelte. „Mehr als 5 Jahre lag alles brach und just jetzt tut sich was“ war die bange Frage.

Die MBI stellten daraufhin Erkundigungen an und folgendes stellte sich heraus:

Die Stadt hatte das Grundstück 2005 für ca. 2 Mio. erworben für die damaligen Pläne von „Ruhrbania – maritime Meile“. Trotz etlicher teurer Gutachten und wunderschönen Hochglanzbroschüren wurde aus der „maritimen Meile“ überhaupt nichts, was nicht nur die MBI vorhergesagt hatten. Doch egal. Das Luftschloss „maritime Meile“ wurde dann irgendwie und irgendwo so ca. 2008 klammheimlich beerdigt, ohne dass in irgendeinem Ausschuss oder Rat oder BV darüber auch nur 1 Wort verloren wurde. Und M&B ging daran, das o.g. Grundstück zu verkaufen. Die Betriebe der Stadt, die den Hafen betreiben, hatten nichts damit zu tun. Und so wurde das Grundstück Ende 2009 verkauft, ohne dass das in irgendeinem polit. Gremium auch nur angesprochen worden war. Dem Fallwerksbetreiber, dem man für die Schnapsidee der „maritimen Meile“ das Gelände vor der Nase weggeschnappt hatte, wurde dies nicht angeboten, warum auch immer. Und so wurde die Riesenchance, ein Problem in Mülheim zu einer Lösung zu bringen, bereits im Vorfeld durch die vorherrschende Mauschelpraxis verunmöglicht.

Das ist nicht nur schade und ärgerlich, es ist auch in mehrfacher Hinsicht skandalös! Denn:

  • Das gesamte Gelände der sog. Westspitze zwischen Ruhrorter Str. und Südhafen zwischen Kreisverkehr und Schleuse ist das mit Abstand attraktivste Gewerbe- und Industriegelände der Stadt, weil in Autobahnnähe, mit Gleis- und mit Wasseranschluss! Seit 2 Jahrzehnten dümpelt diese Exquisit-Lage insgesamt aber vor sich hin. Alleine der Anblick von der Ruhrorter Str. wirkt z.T. erbärmlich und erinnert an Gewerbegebiete der ex-DDR. Eine Schande und kein Ruhmesblatt der Wirtschaftsförderung, weder als sie unter Leitung von Eismann rein städtisch war, noch als sie mit M&B die „Wirtschaft“ in personae von Lison und Scheibel mit dabei hatte.
  • Als endlich ein Konzept aufgestellt wurde, war dies im Ruhrbania-Wahn mit der „maritimen Meile“ eine weitere realitätsfremde Vision, die scheitern musste
  • Dafür wurden dann Grundstücke in allerbester Lage wie o.g. aufgekauft, damit sie über viele Jahre brach lagen. Wieviel Mindereinnahmen alleine der Hafenbetrieb deshalb wegen fehlendem Umschlag hatte, ist unbekannt, könnte aber in den 6stelligen Bereich gehen!
  • Irgendwer erklärt dann das Luftschloss hinter verschlossener Tür für gestorben und genauso wurde das Gelände dann verkauft. Eine Diskussion über mögliche zukunftsträchtige Nutzung der gesamten Westspitze wurde zumindest öffentlich nicht geführt, obwohl dies eigentlich Mülheims beste Lage sein könnte und müsste. Wer warum entschieden hat, dass der Fallwerksbetreiber dort auch ohne maritime Meile nicht hin kann oder soll, weiß keiner genau bzw. wird nicht gesagt.
  • Es ist mehr als unhöflich diesem Betrieb gegenüber, ihn ganz außen vor zu lassen, nachdem man vorher ihm gegenüber Vorkaufsrecht geltend gemacht hatte. Im Ergebnis wurde nicht nur der Betrieb, sondern auch die Menschen von Hofacker- und Eltener Str. um endlich mögliche Verbesserungen betrogen, weil sie alle im Blickfeld einer Handvoll Entscheider irgendwie nicht existent zu sein scheinen.
  • Über die städtebaulichen Möglichkeiten, die sich mit der Fallwerk-Verlagerung von der Weseler Str. nicht nur für die arg belästigten Anwohner ergeben könnten, ob für die nahe FH oder den ohnehin völlig vernachlässigten Stadtteil Speldorf, spricht ohnehin keine/r. Doch Stadtplanung, die ihren Namen verdient, ist für Speldorf schon lange nicht mehr erkennbar!

Insgesamt zeigt auch dieses Beispiel die ganze Krux der Mülheimer Stadtentwicklung:
Mit Hilfe teurer Gutachter werden Visionen entwickelt, die man/frau dann wegen fehlenden Praxistauglichkeit mit Brachialgewalt wie dem overfly-Abriss und viel Geld umsetzt. Der reale Bestand, ob Menschen oder Betriebe, interessieren wenig. Da versucht man wie bei der Ruhrpromenade, die übergangenen Mülheimer durch mehr Propaganda nachträglich zu überzeugen, was für sie das beste ist. Das ist nicht nur bei der Innenstadt voll daneben gegangen. Frau Mühlenfeld behauptet heute in der NRZ zu der unzeitgemäßen Mülheimer Bauwut in höchst sensible Gebiete wie Tilsiter oder Bergerstr. hinein zu dem scharfen Protest der Bevölkerung: „Es  hat damit zu tun, dass Menschen, die im Grünen wohnen, wünschen, dass es so bleibt.“ Oder „die Pläne für das Baugebiet sind über lange Zeiten gewachsen.“ Auch dazu kann man nur feststellen: „Den Schuss nicht gehört, aber weitermachen wie vor 30 Jahren?“

P.S.: Die 33000 qm Fallwerksfläche liegen an der zentralen Nahtstelle zwischen Gewerbegebiet Hafen und dem Stadtteil Speldorf. Auch die Hafenbahn wird fast ausschließlich von diesem Fallwerk benutzt. Und die für die Fachhochschule  dringend erforderliche Begradigung der Duisburger Str. scheitert bisher daran, dass die Hafenbahn die Überführung nutzt, die deshalb angeblich nicht beseitigt werden kann. Mehr dazu hier

In der letzten Juni-Woche 2010 meldeten sich wieder einmal serienweise Anwohner der Hofacker-, aber auch der Eltener Str. bei den MBI, weil der Lärm vom angrenzenden Fallwerk wieder einmal unerträglich war. Die Menschen trauten sich nicht mehr in den Garten und in den Häusern erzeugten die Erschütterungen das Gefühl von Vibrationen. Auch die Geruchsbelästigung war erneut zu beklagen. In den letzten Monaten war es etwas erträglicher gewesen, doch nun scheint sich bei diesem Skandalwerk irgendetwas zu verändern.

Zur Erinnerung: “Das Skandal-Fallwerk Weseler Str.” hier und hier

  • 1.11.11: Umweltausschuss mit dem TOP “Sachstandsbericht der Bezirksregierung (RP)”. Auf MBI-Antrag hin wurde am 11.11. einstimmig beschlossen, dass der RP dem Umweltausschuss Rede und Antwort stehen soll zu dem Vertrag mit dem Fallwerk Weseler Str.. . Doch 2 Tage vor der Sitzung sagte die Behörde ab. WAZ: 1.12.11: “Angst vor noch mehr Krach” hier
  • 7.10.11: Die RP-Pressestelle gab am Tag nach der Ratssitzung bekannt, es sei ein Vertrag mit dem Fallwerksbertreiber Jost und dem Fallturmbetreiber RRD (Tochterfirma von Großmanns Stahlfirma und Envio-Nachbar in Dortmund) geschlossen worden. Wieso mit RRD? Die zwei Falltürme sollen im nächsten Jahr, zunächst vorübergehend, geschlossen werden. Das wurde bereits zu Ende Juni und dann zu Ende Sept. angekündigt. Welch eine Vera ….. Genaueres im Vertrag zwischen dem RP Düsseldorf und dem Fallwerk Jost, Weseler Str., über die “Durchführung von Vorsorgemaßnahmen zur Anpassung der Anlage an den Stand der Technik” als pdf-Datei (31 KB)
  • 27.9.11: M&B soll das Grundstück am Stumpf Emmericher Str. und am Fallwerksrand verkaufen incl. Lärmschutzwall und Fahrrad- Fußweg. Wie bitte? Seltsam, seltsam!!! Doch SPD und CDU stimmten im Rat am 6.10.11 den MBI-Antrag dazu nieder!!
  • 15.1.11: MBI-Antrag im Planungsausschuss zu planungsrechtlichen Grundlagen des Fallwerks Weseler Str., womit die Lärm- und Erschütterungsgutachten künstlich heruntergerechnet wurden. Der Amtsleiter trug u.a. vor, dass die Wohnhäuser Eltener Str. und Hofackerstr. bis zu Nr. 36a als WA (allgemeines Wohngebiet) behandelt werden müssen. Das bedeutet, dass all die diversen Lärm- und Erschütterungsgutachten der letzten Jahrzehnte falsch zu Ungunsten der Wohnbevölkerung waren! Ebenso hat die Dezernentin noch im Umweltausschuss am 31.1. einfach so drauf los beschwichtigt. Mehr hier
  • 19.1.11: Bewegung beim Fallwerk Jost in Speldorf? Im Umweltausschuss am 31. Januar war das Fallwerk Thema, ein Vertreter der Bezirksregierung anwesend. Die MBI haben ebenfalls zu dieser Sitzung einen Antrag eingebracht. Mehr hier
  • 8.12.10: Hauptartikel in der Mülheimer WAZ zum Fallwerk Weseler Str. : „Ungeahnte Dramatik“. Während SPD-Wiechering im WDR-Fernsehen letzte Woche noch den Unwissenden abgab, erzählt der grüne Umweltausschussvorsitzende Niehoff der WAZ „Die Dramatik war uns bisher nicht bekannt“. Beide tun scheinheilig besorgt, dabei mussten beide es spätestens seit Anfang der 90iger Jahre besser wissen, vgl. u.a. „NICHTVERLAGERUNG des FALLWERKS TROTZ EINSTIMMIGEN RATSBESCHLUSSES 1992: ein teurer Skandal auf Kosten der Anwohner und der Stadtentwicklung!“ hier
  • 4.12.10: Umweltbelastung: Alarmsignal Rot – Die dramatisch überhöhte Nickel-Belastung rund um die Schrottverwertungsanlagen am Hafen steht nun auf der Prioritätenliste der Umweltüberwachung der Bezirksregierung Düsseldorf ganz oben. ….. Zum benachbarten Spielplatz an der Hofackerstraße äußerte sich RP-Dezernent Horstmeier auch. Sein Fachdezernat habe „damals fassungslos zur Kenntnis genommen“, dass die Stadt an dieser Stelle einen Spielplatz gebaut habe. Belasteter Boden könne aufgewirbelt werden, spielende Kinder würden ja durchaus mal Dreck schlucken – „problematisch“, so Horstmeier. Es sei möglich, dass die Stadt die Nutzung des Spielplatzes demnächst untersagen müsse.” der ganze Artikel hier
  • 2.12.10: Die Journalisten von der WDR-Lokalzeit haben nach ihrem sehr informativen Bericht zu dem Skandalfallwerk an der Weseler Str. (mehr s.u.) Mitte Okt. weiter recherchiert. Sie sind fündig geworden u.a. bei den Schwermetallmessungen. Bei Nickel beträgt der Grenzwert für den jährlichen Durchschnittswert 15 und 2009 wurden an der Meßstelle Weseler Str. knapp 950(!) gemessen. Da ist Handlungsbedarf. Auch andere Schwermetalle überschreiten die Grenzwerte. Auf dem Gelände selbst sind unter Garantie noch ganz andere Grenzwertüberschreitungen z.B. für Cadmium oder Arsen anzutreffen. Das gesamte Gelände liegt übrigens im Wasserschutzgebiet. Und das zusätzlich zu dem höllischen Lärm und den Erschütterungen durch die monströsen Falltürme. Nur in Mülheim da weiß man anscheinend von nix. Der Beitrag wurde im WDR 3-Fernsehen gesendet. Wer über die Weseler Str. fährt, kann feststellen, dass das Fallwerk nun Nato-Stacheldraht oben auf der Mauer befestigt hat, warum auch immer. Zum Thema auch die WAZ vom 2.12.10 “Fallwerk: Bedrohlicher Niederschlag”
  • 22.11.10: Hilferuf an Umweltminister Remmel wegen des Dauer-Umweltskandals Fallwerk Weseler Str. im Trinkwasserschutzgebiet und am Rande der Wohnbebauung als pdf-Datei (36 KB)
  • 15.10.10: Heute am frühen Nachmittag war ein Kamerateam von Lokalzeit Ruhr Essen am Fallwerk Weseler Str. in Speldorf, hat Aufnahmen und Interviews gemacht. Der sehr informative Beitrag wurde im WDR 3-Fernsehen gesendet. Das Fallwerk Jost ist der allergrößte der vielen Skandale Mülheims.