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MüGa und Ruhrbania, zwei entgegengesetzte Welten?

Geburtstags“kind“ MÜGA (Mülheimer Gartenschau) als Vorbild für Ruhrbania? Oder stellt Ruhrbania nicht eher das Gegenteil der MüGa dar? Stadtzerstörung und nicht Stadtreparatur? Mehr Urbanität höchstens für wenige, für die Allgemeinheit aber das Gegenteil?! Sind MüGa und Ruhrbania auf den 2 Ruhrseiten also eher – auf Stadtentwicklung bezogen – aus 2 verschiedenen Welten?

1. Juli 2012 „Mülheims Garten an der Ruhr“ feiert Geburtstag! In voller Blüte stehen zwei Jahrzehnte nach Eröffnung der Mülheimer Landesgartenschau MüGa nicht nur die wunderbaren Parkanlagen. Bestens entwickelt haben sich ebenso etliche der seinerzeit ins Leben gerufenen Projekte und Immobilien auf dem weitläufigen Gelände.“ Soweit aus der städtischen Werbung hier


im Bild links die Landesgartenschau von 1992 zwischen Ringlokschuppen und Ruhr. Zu Ruhrbania rechts das offizielle Ruhrbania-Modell

Die MÜGA stand vorher auch in der Kritik, hauptsächlich wegen der immensen Kosten und wegen der ökologischen Gefährdung des Naturschutzgebietes Steinhofer Bruch. Letzteres wurde nach der Kritik insgesamt ganz ordentlich gelöst, während die Kosten neben dem sauteuren U-Bahn-Tunnel unter der Ruhr für nur 1 Haltestelle eine der Grundlagen für die heutige gigantische Verschuldung der Stadt bildete. Doch dafür brachte die MÜGA der Stadt und ihrer Bürger etliche massive Verbesserungen von der Altlastensanierung der verseuchten Gelände des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks, den Ringlokschuppen als Kultur- und Veranstaltungszentrum, den schönen MÜGA-Park neben dem Schloss Broich inkl. des sehr beliebten Wasserspielplatzes, 2 weiteren schönen Kinderspielplätzen, den gesamten Anlagen neben der Stadthalle, dem tollen Fahrrad-Fußweg von Schloss Styrum über den Fossilienweg bis Saarn, der Camera Obscura, dem Haus Ruhrnatur und dem Aquarius-Wassermuseum im ehemaligen Styrumer Wasserturm uswusf… Fotogalerie zur MüGa hier

Da alle Anlagen nach der Gartenschau erhalten blieben und intensiv von der Bevölkerung genutzt werden, hat Mülheim nicht nur ökologisch und vom Stadtbild her durch die MÜGA deutlich gewonnen! Ein wirklicher Grund zum Feiern des 20. Jahrestages!

Auch die Aufwertung der Ostruhranlagen auf der anderen Ruhrseite gehörte zum Programm der MÜGA und wurde auch vom Land gefördert.

Genau dort sollte dann 10 Jahre später ein weiteres „Strategieprojekt“ die Innenstadt aufwerten und sie an die Ruhr bringen, ganz getreu des MÜGA-Leitmotivs „Stadt am Fluss“: Das Prestigeprojekt „Ruhrbania“, das laut Namensgebung mehr Urbanität an die Ruhr bringen soll, zieht sich seit dem Grundsatzbeschluss 2003 wie ausgelutschter Kaugummi und will als groß gepriesenes „Leuchtturmprojekt“ einfach nicht leuchten, auch nach 10 Jahren nicht einmal kurz aufblitzen.

Wo bleibt die Vorfreude?“ fragte die WAZ vor kurzem Die Idee ist fast zehn Jahre alt: Mülheim bringt den Fluss an die Stadt, schafft eine Flaniermeile, errichtet attraktives Wohnen am Wasser und beschert den Menschen ein mediterranes Lebensgefühl in Cafés und Restaurants an der Ruhr. Toll – oder? Ruhrbania ist nach wie vor wenig beliebt. Bei der aktuellen Leitbild-Debatte ergab eine repräsentative Befragung zu Ruhrbania sehr ernüchternde Zahlen, und auch unsere Abstimmung auf derwesten.de mit 4250 Bewertungen gibt kein gutes Stimmungsbild ab.. … Kein anderer als Klaus Beisiegel, Referent im Bau- und Planungsdezernat, war so viel unterwegs in Sachen Ruhrbania. An die 200 Vorträge hat er gehalten. Sein Urteil: „Einer kleinen, aber aktiven Gruppe von Gegnern ist es gelungen, dieses Projekt mit viel Skepsis zu versehen – bis zum heutigen Tag. Dennoch ist Beisiegel überzeugt: Das Image wird kippen, wenn die Menschen erst einmal am Ufer in der Sonne sitzen und einen Cappuccino trinken.…. “ Der ganze WAZ-Artikel hier

Also, wenn man Beisiegel glauben würde:
Alles wird gut und wie bei der MüGa wird alle Kritik zu Ruhrbania nach Fertigstellung verstummen und insgesamt werden danach fast alle glücklich und zufrieden die „Ruhrbania-Ruhrpromenade“ und die zugehörigen städtebaulichen Umgestaltungen in Anspruch nehmen und sich ihrer erfreuen? Wirklich? Kommt das so, wie die Ruhrbania-Befürworter es seit Jahren litaneimäßig immer und immer wieder behaupten?
Oder gibt es nicht doch fundamentale Unterschiede zwischen MüGa und Ruhrbania, wie es u.a. die MBI seit Jahren behaupten?

In Kürze deshalb nur folgende wesentlichen Unterschiede:

  1. Während die MüGa u.a. völlig verbrauchte Altlastengebiete entseucht und für die Öffentlichkeit erheblich aufgewertet und zugänglich gemacht hat, musste bzw. muss noch für Ruhrbania bestehende, funktionierende Infrastruktur zerstört und teuer Ersatz gefunden werden (Stadtbad, Gartendenkmal, Ruhrstr. als Hauptverkehrsstr., Rathausneubau, Bücherei, und noch geplant Gesundheitshaus, AOK und ex-Arbeitsamt). Das Denkmal Stadtbad und die freigelegten Grundstücke wurden/werden dann an Private verkauft, die dort vor allem Luxuswohnungen errichteten/errichten sollen. Den Bürgern wurden/werden – entgegengesetzt zur MüGa(!!) – bisherige öffentliche Räume entzogen oder entwertet, ob der schöne Arkadengang am Stadtbad und das Rio-Kino, der Park mit Gartendenkmal, der Rathausmarkt uswusf… Zusätzlich befinden sich bereits ohne Abriss von Gesundheitshaus, AOK usw. städtische Einrichtungen deutlich mehr über das Stadtgebiet verteilt als vorher, da Rathausneubau und Bücherei bereits gefallen sind. Auch das Aufhübschen des denkmalgeschützten Rathausaltbaus für 47 Mio. € kann den massiven Bedeutungsverlust des Rathauses nicht annähernd auffangen. Das Restrathaus wird nämlich in Zukunft auch nicht mehr den Blick auf die Ruhr und die Bücherei (heute ein großes Loch) haben, sondern auf mehr- stöckige Häuserfronten, die in Baufeld 1 auch noch in massiver Block- bauweise direkt an das Rathaus anschließen.
  2. Die für Ruhrbania völlig umgestaltete Verkehrsführung ist unausgegoren und stellenweise Murks. Selbst im Vergleich zur vorherigen, unübersichtlichen Verkehrsführung stellt die neue eine auch noch sehr teure Verschlechterung dar. Mehr hier
  3. Die Zerstörung und Verlagerung bestehender Infrastruktur waren bereits bis jetzt als städtische Vorleistungen zur Baureifmachung der Ruhrbania-Baufelder so gigantisch teuer, dass die Stadt sich auf längere Zeit davon nur schwer erholen kann. Dagegen waren die Kosten für das Großprojekt MüGa ein Kinderspiel! Mehr zum Ruhrbania-Finanzdesaster hier
  4. Die jahrelangen Dauerbaustellen haben der ohnehin kriselnden Innenstadt nachhaltig schwer geschadet, noch bevor ein einziges Cafe, Geschäft oder Ärztehaus entstanden ist und die angeschlagene Innenstadt noch mehr unter Druck setzen kann und wird. Die Kaufhofruine direkt neben Ruhrbania ist nicht zufällig und ein abschreckendes Beispiel. Mehr zur Hyper-Innenstadtkrise hier
  5. Ökologisch ist Ruhrbania bereits bis heute keine Aufwertung, sondern eine katastrophale Verschlechterung. Weit über 200 Innenstadtbäume inkl. der vielen Naturdenkmäler im zerstörten Gartendenkmal wurden bereits geopfert, die zusätzliche Versiegelung in Ruhrufernähe ist gefährlich und die vermurkste Verkehrsführung erfordert viele unnötige Fahrten und bringt damit unnötigen zusätzlichen CO2-Ausstoss und weitere Luftbelastung. Für das gesamte Binnenklima der selbsternannten Klimastadt Mülheim ist Ruhrbania eine völlig unzeitgemäße Katastrophe! Mehr u.a. hier
  6. Die städtebauliche Neuerung durch das Mini-Hafenbecken und dem zur „Flaniermeile“ demnächst umgebauten Leinpfad kostet/e zwar viele Abermillionen, kann aber die Zerstörung des vorher einzigartig grünen Gesichts der Stadt mit dem Park nicht annähernd ausgleichen, selbst wenn die entstehenden Baublöcke nicht so architektonisch unpassend und plattenbaumäßig wären, wie leider zusätzlich bisher der Fall bei Stadtbadanbau und dem Kondor Wessels-Kasten..

Rechts eine Fotomontage aus 2004 mit dem damaligen Gesicht der Stadt und darunter eines der allerersten Fotos des 1. Preises zum Wettbewerb Ruhrbania, gewonnen von RKW, einem Düsseldorfer Architektenbüro, die danach Dauergutachter für Mülheim wurden

Zusammengefasst: Ruhrbania ist bereits bis heute für die Stadt Mülheim ein ökologischer Rückschritt, eine Verschlechterung des Stadtbildes, eine finanzielle Katastrophe und für die Innenstadt bzw. Teile davon überlebensbedrohend. Für die meisten Bürger werden die versprochenen Verbesserungen an Urbanität entweder nicht zu bemerken sein oder sich insgesamt eher gegenteilig auswirken. Die Identifikation mit der eigenen Stadt hat bereits sehr deutlich gelitten. Das wird kein „Capuccino am Ufer in der Sonne“ wieder richten können, auch nicht durch den Blick auf die MüGa-Teile neben der Stadthalle. Und zusätzliche Touristen werden für eine 200m kurze enge Flaniermeile oder wegen dem Mini-Hafenbecken kaum zu erwarten sein.

Kurzum: Das Projekt Ruhrbania ist in den meisten Punkten das Gegenteil der MüGa. Stadtzerstörung statt Stadtreparatur! Privatisierung zentraler Stellen der Stadt anstatt Aufarbeitung und Öffnung zusätzlicher Bereiche für die Allgemeinheit.


Jubiläumsfeier in spe, anno 2023: „20 Jahre Ruhrbania-Baustelle“, in der Mitte rechts das Musterhotel „Athen“, das zur Feier pünktlich fertig wurde

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  • Juni 12: Ruhrbaniakosten ein Staatsgeheimnis? hier
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  • MBI-Faltblatt Herbst 09: “Ruhrbania, Ruhrbanium, Ruhrbaniae, Ruhrbanio, Ruhrbaniorum …. anno 2009“: Die Ruhrbania-Ruhrpromenade – ein  Leuchtturmprojekt als Scherbenhaufen und finanzielles Debakel als  PDF-Dokument (134 KB)