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Schlimmes Schlimm-City oder alles nur halb so schlimm?


Interview Ende Juli 2011 in WAZ+NRZ mit Helge Schneider zu seiner Heimatstadt Mülheim: Überschrift „Die sind bekloppt“ Unterüberschrift „Sein Befund über die Innenstadt: Die ist tot“. Das ganze Interview hier. Die MBI fragten “Ist Mülheim noch zu retten?”, nachzulesen hier. Kurzum: Es steht nicht gut um die Heimatstadt der NRW-Ministerpräsidentin. Ein auswegloses Haushaltsdesaster, eine dramatisch kriselnde Innenstadt mit einem grandios gescheiterten Prestigeprojekt Ruhrbania lassen kaum noch Korrekturen zu. Dazu die abstürzenden Aktienkurse des RWE als größtem Stadtvermögen. Braucht man als Bürger Mülheim zwischen all den größeren Städten überhaupt noch?

Nun wollten Künstler mit provokativen Aktionen die Diskussion um die Innenstadt beleben. “Schlimm-City” heißt das sog. “Stadtspiel” vom 14. Sept.bis 9. Okt. 2011 in der Mülheimer Innenstadt. Dabei sollte u.a. die Schloßstr. zur “konsumberuhigten Zone” werden und der Kaufhof zur “Leeranstalt”. Ob diese Form von Galgenhumor der kaputten Innenstadt noch helfen kann?

Am Sa., dem 8.10.11, um 19.30 Uhr wurde das unten beschriebene Spektakel der „Tumulanten“ wiederholt. Ab 21 Uhr ging es dann unter dem Slogan „Fake City“ von der „Dezentrale“ im ehemaligen Ruhrbaniabüro im leeren ex-Kaufhof-Parkhaus durch die menschenleere City und anschließend zum „Vorstadttheater“ Ringlokschuppen, wo ab 22 Uhr die Abschlussparty „Celebrate Schlimm-City“ gefeiert wurde.

Hat „nur“ 100.000 € öffentliche Zuschüsse gebraucht, damit die sog. „Kreativen“ 3 Wochen lang ihre „Schlimm-City“-Spiele durchführen konnten. Es war gespenstisch, als die diversen nächtlichen Demonstrationen durch die völlig leere Innenstadt zogen. War halt Kunst, über die man bekanntlich streiten oder es lassen kann.

Auch ob der Titel „Schlimm-City“ für das „Stadtspiel in Realversion“ (abgeleitet von Computer-Strategiespiel Simcity) angesichts der massiven Probleme der Innenstadt als Provokation für viele Betroffene unter der Gürtellinie lag, darüber läßt sich sicher ebenfalls trefflich streiten.

Nur ob das ganze Spektakel die notleidende Mülheimer Innenstadt irgendwie weiter gebracht hat, darüber kann man kaum verschiedener Meinung sein. Hat es sicher nicht.

Zum Thema „Tumultanten“ auch Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny a.d. Ruhr?“

Schlimm-City: Aufstand der Tumultanten

WAZ-Mülheim, 07.10.2011, Julia Blättgen

Mülheim. Der Aufstand geschieht vor den Augen aller und doch im Geheimen. Mitten in der Stadt stehen sie, die „Tumultanten“, vereint im Kampf gegen die Obrigkeit, mit Pflastersteinen in der Hand und durchdrungen von Tatendrang – und alles, was Passanten sehen, sind 50 Leute, die auf der Schloßstraße Wurfbewegungen in Zeitlupe ausführen. Da bleiben zwei Reaktionen: Kichern oder Kopfschütteln. „Wessen Stadt ist die Stadt?“ fragte die Gruppe „Ligna“ frei nach Brecht und lud zum Radioballett durch „Schlimm-City“. …………….

Die um ihre Existenz kämpfenden Kaufleute auf der Schlossstr. empfanden das Riesentransparent zu “SchlimmCity” als geschäftsschädigend. So musste es weg, noch bevor das “Stadtspiel in Realversion” begann, vgl. WAZ-Artikel unten. Peinlich, peinlich …. Oder: Wenn es nicht so traurig wäre …. Wozu gibt es eigentlich eine Planungsdezernentin und eine teure Vermarktungs-GmbH namens MST, wenn solche Aktionen nicht vorher abgesprochen werden?

Ärger in der Innenstadt:

Schlimm-City kommt wieder weg!

WAZ-Mülheim, 05.09.2011, Andreas Heinrich / Margitta Ulbricht
der ganze Artikel hier

Mülheim. Erst waren es die Verkehrsführungen, die Auswärtige wie Einheimische nur schwer durchschauten und die dem Einzelhandel die Kunden an der Stadt vorbeiführten. Dann kamen die großen Baustellen, die dem Einzelhandel in der Innenstadt die Kassen leerten, und jetzt kommt die Kultur, die die Krise der Innenstadt mit „Schlimm-City“ betitelt. Das ist zu viel.

Das Entsetzen über den Schriftzug, der über der Schloßstraße die Veranstaltungsreihe ankündigt, ist insbesondere in der Händlerschaft, die teilweise ums wirtschaftliche Überleben kämpft, groß. Gerade in der Werbegemeinschaft Innenstadt (WGI), die sich seit Monaten bemüht, die Mülheimer Innenstadt zu stärken, kommt großer Unmut auf: Mit einem Schlag sieht man all die Bemühungen ins Gegenteil verkehrt.

Plakatierung soll kurzfristig entfernt werden

Mancher hält „Schlimm-City“ nicht für provozierend, sondern schlicht für geschäftsschädigend. Wie die WAZ erfuhr, soll die Plakatierung „Schlimm-City“ kurzfristig wieder entfernt – und hoffentlich schnell vergessen werden.

Abgestimmt war sie in keiner Weise, betont die Chefin der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH, Inge Kammerichs. Sie kritisiert auch die äußere Form der Plakatierung: „Sie tritt alles mit Füßen, was wir uns als Verbesserung am äußeren Erscheinungsbild vorgenommen haben.“ Sie verweist auf Regelungen, die auch der Ringlokschuppen kennt. Der Ringlokschuppen ist Urheber der Aktion „Schlimm-City“, will damit provozieren und Diskussionen wie neue Ideen für die Innenstadt produzieren.

Droht ein weiteres Absinken der Kunden?

Nichts gegen Kultur in der Innenstadt, sagt Inge Kammerichs. Im Gegenteil: Wir brauchen sie. Aber nicht in dieser Form. „Dies ist falsch, verärgert Menschen, darüber kann sich keiner freuen.“ Die Veranstalter, glaubt City-Managerin Gudrun von der Linden, mögen sich nichts Böses dabei gedacht haben. Aber diese Form ist kontraproduktiv für den Handel.

„Es tut weh. Es richtet Schaden an.“ Was bleibt am Ende hängen? Mülheim gleich schlimm? Droht ein weiteres Absinken der Kunden? Gerade das will die WGI stoppen und allmählich ins Gegenteil verkehren. Für den Handel geht es um Menschen in der Stadt, um Einnahmen, und damit auch um Arbeitsplätze.

Schlimmer geht’s immer – das zeigt der Zoff über das künstlerische Projekt „Schlimm-City“, ins Leben gerufen vom Ringlokschuppen und vielen anderen Akteuren. Händler, MST und Werbegemeinschaft sind brüskiert ob des Titels, sehen ihn als einen Rückschlag für all ihre Mühen in den letzten Wochen und Monaten, den Stadtkern nach vorne zu bringen. Höhepunkt des Ärgers: Das Transparent mit der Aufschrift „Schlimm-City“ direkt über der Schloßstraße gespannt. Gerüchte über gerichtliche Schritte haben die Runde gemacht, wenngleich Hermann Pogge, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Innenstadt (WGI), das Ansinnen einer „Einstweiligen Verfügung“ vehement zurückweist: „Das ist eine Ente.“

Treffen mit allen Beteiligten

Am Montag gab’s dann ein Treffen mit Beteiligten von Werbegemeinschaft, Mülheimer Stadtmarketing und Ringlokschuppen bei Kulturdezernent Peter Vermeulen hinter verschlossenen Türen. Holger Bergmann, Künstlerischer Leiter, der mit dem Schlimm-City-Programm augenzwinkernd und spielerisch auf Provokation setzt, zielt bei seinen Erläuterungen auf Inhalte ab: Es gehe nicht um Totschlag-Argumente, so Bergmann, „nicht mal um Nadelstiche, sondern im besten Sinne geht es darum, mit künstlerischer Akupunktur alte Muster aufzubrechen, in denen sich die Innenstadt bewegt“. Es handele sich dabei um eine Art kreativen Forschungsdienst. „Mit Kunst und Kultur wollen wir Denkanstöße geben.“

Es gäbe auch keinen Zweifel über die vielen Anstrengungen, die engagierte Händler in der letzten Zeit unternommen hätten, betont Bergmann: „Das Projekt kommt genau richtig, um all diese Bemühungen von anderer Seite zu stärken.“ Nun, man wird sehen, wie dieses „Stadtspiel in Realversion“, so der Untertitel, vom 14. September bis 9. Oktober in der Innenstadt ankommt. Finanzielle Unterstützer hat man dafür gewonnen: etwa 60 000 Euro gibt es von der Leonhard-Stinnes-Stiftung, 30.000 Euro von Sponsoren, 20.000 Euro kommen vom Land, und der Ringlokschuppen trägt seinen Anteil dazu bei. Dafür gibt’s drei Wochen Programm in der Innenstadt: Performance, Lesungen, Konzerte, Installationen, Aktionen, Stadtgespräche. Der Kaufhof wird temporär wiedereröffnet: als Leer-Anstalt.

Anm. MBI:
Am 6. Sept. war das Transparent entfernt, das 2 Wochen dort gehangen hatte. Wer hatte das eigentlich genehmigt? Mehr zur Krisenstadt Mülheim

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