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Tag des offenen Denkmals 2015: Tag der offenen Wunden MH?

Denkmalschutz in Mülheim: Noch haben wir welche übrig …..

doch das vergangene Jahrzehnt war und ist insgesamt eher eine Katastrophe für Denkmäler und stadtbildprägende Identifikationsmerkmale in Mülheim!

Am 13. Sept. 2015 ist bundesweiter “Tag des offenen Denkmals”, in Mülheim ein Tag auch des Gedenkens der vielen offenen Wunden des Stadtbilds und der Stadtentwicklung!

In Mülheim bieten 2015 nur noch Alte Dreherei, Camera Obscura, Schloß Broich, Tersteegenhaus und St. Theresia von Avila in Selbeck zwischen 11.00 und etwa 17.30 Uhr Programm an. Im letzten Jahr beteiligten sich noch 8 Standorte! Mehr zum Programm 2015 auf der städt. Seite hier
Doch der Denkmalschutz führt insgesamt in der Heimatstadt von Stinnes, Thyssen u.v.a. bis hin zu Hannelore Kraft eher ein Rand- und Schattendasein trotz sehr vieler geschichtsträchtiger Menschen und Orte von Beginn der Industrialisierung bis heute.

Nicht dabei dieses Jahr: Das Ledermuseum, das sich in einer Krise befindet, nachdem die Stadtspitze den Hauptförderer und den Geschäftsführer ziemlich rüde herausmobbte. Zur Erinnerung: SPD ruft zu Spenden für das LVR-Ledermuseum auf. Wieso das denn? Oder “Mülheim, wie es leibt und lebt und vergeht ….” hier. Dass der ex-Geschäftsführer in einem Offenen Brief seine Ehrenspange an die Stadt zurückgab, nachdem er von der OB, den SPD-„Kultur“frauen und dem Sparkassenvorstand ziemlich schäbig behandelt worden war, besagt Vieles.

Nachdem etliche Mülheimer Denkmäler in den letzten Jahren von der Stadtpolitik geopfert wurden wie das Fachwerkhaus Auerstr. 46, vor allem aber das OstruhranlagenGartendenkmal der Ostruhranlagen als Gesicht der Stadt (siehe Bild links) für Ruhrbania, kommt als nächstes der Abriss des größten Teils der Troostschen Weberei und zu befürchten immer noch die VHS und die MVG-Halle! Mehr dazu hier.
Andere Denkmäler wie die wunderschöne JugendherbergeJugendherberge als Postkartenmotiv und das ehemalige Stadtbad, letzteres u.a. mit seinem schönen Laubengang und dem Kino Rio, wurden privatisiert und der Öffentlichkeit entzogen. Ähnliches passierte davor mit der Thyssen-Villa, dem Streithof und der ehemaligen ev. Akademie im Uhlenhorst. Die einzigartige Kruppsche Arbeitersiedlung in der Heimaterde konnte nur durch riesigen, jahrelangen Widerstand großer Bevölkerungsteile vor dem Allerschlimmsten bewahrt werden. Weil sich aber der heimische MWB weigerte, die Siedlung zu übernehmen (der MWB engagierte sich lieber in Haus der Wirtschaft, Feuerwehr, Ruhrbania u.a. SPD-Projekten!), verkaufte Thyssen-Krupp an sog. Heuschrecken, die durch forcierten Wohnungsverkauf die Sozialstruktur deutlich veränderten.

Eine ganz besondere typisch Mölmsche „Denkmalschutz“nummer war der Abriss(!) und 6 Mio. teure Neubau(!) des Denkmals der Rotunde im Rathausinnenhof.Rotunde Da das für 50 Mio. saumäßig teuer sanierte Denkmal des Restrathauses mit dem ästhetisch und städtebaulich unpässlichen Anbau des Ruhrbania-Klotzes versehen wurde, liegt die als „Schmuckkästchen“ angepriesene Rotunde nun versteckt im Innenhof zwischen Restrathaus und Ruhrbania-Klotz.

Denkmalmäßig eine Meisterleistung der besonderen Art von „Schilda mit Ruhr“!

  • Mehr in „Versteckte teure Rathausrotunde?!“ hier

Doch nicht genug mit dieser peinlichen und teuren Geschichte. Weiter und weiter dreht sich die Spirale der Vernichter und Ausverkäufer von Geschichte und Identität der Stadt, die sie als ihre „freie“ Verfügungsmasse verstehen. Das schöne Gebäude inkl. der Bäume der Musikschule gegenüber dem Aufgang zur Schleuseninsel, die Hubertusburg in Speldorf, das VfB-Stadion an der Blötte, die Schule Arnoldstr., der Aufgang von der Mausefalle hoch zum Kirchenhügel uswusf.. Stück für Stück verschwinden die Stellen und Gebäude aus dem Stadtbild, die typisch und beliebt waren. Die fantasielose Nachfolgearchitektur ganz im Zeitgeist hoher Vermarktungsrendite ist überall ähnlich wie bei Ruhrbania: Öde, langweilig und zum Weggucken. Oder war es „Fremdschämen“ in Neudeutsch?

VHS-LuftbildNeuestes Objekt auf der Abschussliste, besser Vermarktungsliste, ist die VHS. Die stammt von 1979, steht daher bisher noch nicht in der Denkmalliste, besitzt aber ein Grundstück in Toplage neben Schloß und Mügapark. Also wurde ein Sanierungsstau herbei geredet, um das Grundstück den Immobilienhaien vorwerfen zu können für „modernere“ fantasielose Gebäude mit hohem Ertragswert. Und dann bescheinigte das LVR-Landesamt für Denkmalschutz auf MBI-Antrag hin im Frühjahr 2015 der einzigartigen VHS absolute Denkmalwürdigkeit. Seither versucht die Stadt, die Eintragung in die Denkmalliste zu verzögern oder gar zu torpedieren! Mehr u.a. in

  • Der Skandal um die immer noch bedrohte Mülheimer VH trotz Bescheinigung der Denkmalwürdigkeit durch den Landeskonservator hier
  • MBI-Antrag von Sept. 14 an den Landeskonservator, die Denkmalwürdigkeit der Mülheimer VHS zu prüfen hier
  • Auch ohne Denkmalschutz: Bestandsgarantie für die VHS an der Bergstr. ohne Wenn und Aber! U.a. mit MBI-Antrag für den Rat der Stadt am 25.9.14 hier

MVG-HalleHinter dem MüGapark dann die Reste des denkmalgeschützten Ensembles des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerks an der Duisburger Straße zwischen Feuerwehr/Hochschule und Ringlokschuppen/MüGa-Gelände. Die Alte Dreherei ließ die Stadt bzw. deren Betriebe und als Nachfolger die MVG GmbH völlig zerfallen. Gegen massiven Widerstand aus MVG und Stadt konnte das Denkmal schließlich gerettet werden, weil viele Ehrenamtler das Gebäude (nicht einmal billig!) übernahmen und mit ganz viel Freizeitarbeit als Haus der Vereine sanierten, restaurierten und belebten. Mehr u.a. hier

MVG-BetriebshofNun hat die 100%-städtische Verkehrsgesellschaft MVG ohne jegliche politische Beteiligung eigenmächtig Klage eingereicht gegen den Denkmalschutz ihrer Halle 5 daneben, weil sie das Denkmal abreißen will. Sollte sie Erfolg haben, wird dadurch auch die Alte Dreherei wieder gefährdet, da Zuschüsse zurückgefordert werden könnten, weil es sich um ein Ensemble-Denkmal handelt. Mehr in

  • „Eigenmächtige MVG-Klage gegen Denkmalschutz bedroht das Haus der Vereine – “Alte Dreherei” hier

TersteegenhausEines der 5 offenen Denkmäler 2015 in Mülheim ist das Tersteegenhaus, ein Heimatmuseum in der Altstadt. Auf dem Foto auf  der städtischen Werbeseite (Bild links) sieht man das Haus gegenüber den Fachwerkhäusern hinter der Mausefalle. Was man nicht sieht, ist das monströse sog. Petrikirchenhaus, was gerade mitten in den schönen Aufgang von der Mausefalle zum Kirchenhügel entsteht. Hier läßt sich der Unternehmer Turck unter Mithilfe des ex-RWE-Chefs Großmann ein überdimensioniertes Doppelhaus als Denkmal und Geschenk an die Kirche bauen, womit das schöne vorherige Ensemble inkl. des Tersteegenhauses ziemlich verschandelt wird.
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Wie im Bild links sah der Aufgang von der Mausefalle zu Kirchenhügel und Altstadt bis vor einigen Monaten aus, in der Mitte der Rohbau April 2015 und rechts der zukünftig zugebaute Blick vom Kirchenhügel aus. Mehr u.a. in
• Petrikirchenhaus ein Monstrum? hier
• „Petrikirchenhaus – eine städtebauliche Todsünde?!“ hier

Und so weiter und so fort. Man könnte kotzen bei derart viel Banausentum ….. Oder am Tag des offenen Denkmals wenigstens rufen:

„Haltet inne und fragt mal Eure Bürger, bevor ihr die nächste schöne Stelle der Stadt verkauft oder der Öffentlichkeit entzieht!”

Eine Stadt muss auch Heimat vermitteln. Sie ist deshalb viel, viel mehr als das Sammelsurium der Wünsche von Immobilienspekulanten und Baufirmen!!!

Mehr u.a. in

  • WAZ, 13.9.14: “Denkmalschutz birgt in Mülheim viel Konfliktstoff”, hier
  • Es reicht! Keine weitere Zerstörung oder Umbenennung von Mülheimer verbliebenen Rest-Schönheiten! hier
  • Das Jahrzehnt des totalen Ausverkaufs städtischer, öffentlicher Güter und Orte hier
  • RWE-Stadt Mülheim “Dorf der Mächtigen und Klugen”? hier
  • Desertification-Helga mit Ruhrbania Desolata hier
  • “Über das Innenleben der Heimatstadt von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Wie Mülheim an die Wand gefahren wurde“ als pdf-Datei (124 KB)